October 6th, 2005
Tiroler Tageszeitung
Kunstforum im Landesmuseum: Malende Generationen
E.Schlocker
Ein Querschnitt durch die figurative österreichische Malerei von heute.
Ein wohl ewiges Thema der Kunst ist das Menschenbild. Seine Facetten der Darstellung sind so breit wie in keinem anderen Genre. Es reicht von dem eigenartig berührenden, in altmeisterlicher Manier von Gottfried Helnwein gemalten Porträt der geschundenen Menschheit über das anachronistische Selbstbildnis von Josef Kern bis zur exhibitionistischen Selbstentäußerung Elke Krystufeks. Die Art Brut hat dagegen bei der Formulierung des Menschenbildes durch Franz Ringel unübersehbar ihre Spuren hinterlassen, wogegen die junge Berenice Darrer in schräger Naivität bunte Traumwelten von heute karikiert.

"Figur und Wirklichkeit: Wie Österreichs Maler die Welt verwandeln" ist der Titel der von Ingried Brugger und Florian Steininger kuratierten Schau. Kooperationspartner des Kunstforums ist das Innsbrucker Stadtarchiv/Stadtmuseum, das wiederum im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum einen Partner gefunden hat, der liebend gern zum Gastgeber für eine Schau wird, die er sich nie leisten könnte.Rund 40.000 Euro lässt sich das Kunstforum die Ausstellung kosten, die einen repräsentativen Querschnitt durch jene Kunst der letzten 30 Jahre zeigt, die sich im weitesten Sinn dem Abbildhaften verschrieben hat. Formuliert in den unterschiedlichsten Techniken, Stilen und Herangehensweisen, erlebt dieses am internationalen Kunstmarkt derzeit einen gewaltigen Höhenflug.41 Künstler aus drei Generationen vereint die im Mezzanin und in der Artbox zelebrierte Schau. So erschließt sich dem aufmerksamen Betrachter schön, auf welcher Basis die Kinder- bzw. Enkel-Generation aufbaut, aber auch das grundlegend andere Feeling der Jüngeren, ihr spielerischer Umgang mit neuen Medien und Sehweisen. Reizvolle Nachbarschaften ergeben sich aus dieser Konfrontation von Arbeiten scheinbar gleicher Inhalte, dem so unterschiedlichen Umgang mit dem Malerischen.So hängt etwa ein prachtvolles, zur Struktur reduziertes monumentales Bergbild von Herbert Brandl neben einem fotorealistisch gemalten von Helmut Ditsch und einem von Andrea Holzinger cool stilisierten Stück Natur. Traumlandschaften sind dagegen die, in die Elmar Trenkwalder entführt, wogegen Michael Ziegler die Landschaft zur romantischen Metapher stilisiert, während Beatrice Dreux sehr heutige Anleihen bei den Seestücken der Romantik nimmt.Auch einigen erwachsen gewordenen "Jungen Wilden" begegnet man in der Schau. Etwa Siegfried Anzinger, der mit einem wunderbaren - dem Tiroler Landesmuseum gehörenden - Bild aus seiner "wilden" Zeit präsent ist genauso wie mit einem neuen, das zeigt, welche Emanzipation Anzinger in den vergangenen 20 Jahren durchgemacht hat. Seine Handschrift hat alles expressiv Gestische abgestreift zugunsten einer geheimnisvollen Transparenz, die zeichnerische Sequenzen poetisch einhüllt.Zum Romantiker, der in dekorativer Raffinesse weibliche Körperlandschaften umkreist, hat sich der ehemalige "Wilde" Hubert Schmalix gewandelt, während Alois Mosbacher sich zum Spurensucher gemausert hat.Bereits expressiv gemalt haben Maria Lassnig, Christian Ludwig Attersee und Adolf Frohner, als der Ausdruck von individuell Emotionalem noch verpönt war. Alle drei sind in der Schau mit ausgezeichneten Arbeiten - teilweise aus verschiedenen Schaffensperioden - präsent.Ein wohl ewiges Thema der Kunst ist das Menschenbild. Seine Facetten der Darstellung sind so breit wie in keinem anderen Genre. Es reicht von dem eigenartig berührenden, in altmeisterlicher Manier von Gottfried Helnwein gemalten Porträt der geschundenen Menschheit über das anachronistische Selbstbildnis von Josef Kern bis zur exhibitionistischen Selbstentäußerung Elke Krystufeks. Die Art Brut hat dagegen bei der Formulierung des Menschenbildes durch Franz Ringel unübersehbar ihre Spuren hinterlassen, wogegen die junge Berenice Darrer in schräger Naivität bunte Traumwelten von heute karikiert.Zu verblüffend ähnlichen Lösungen kommen Oswald Oberhuber und Thean Chie Chan: Oberhubers aus der Linie entwickelter Kopf ist allerdings 1965 entstanden, der Chans 37 Jahre später.Der Fotografie als "malerisches" Medium bedienen sich auf höchst artifizielle Weise eine Reihe von Künstlern der jüngeren Generation wie Judith Moser, Eva Schlegel, Eva Wagner und Lorenz Estermann.

Tiroler Landesmuseum, Innsbruck; 6. Oktober bis 8. Jänner, Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr. Eröffnung heute Mittwoch 18 Uhr