Die Stiftung Hamburger Institut für Sozialforschung wird von einem Vorstand verwaltet, der aus drei Personen besteht. Vorsitzender des Vorstandes ist der Stifter, er leitet und verwaltet die Stiftung und beschließt über ihre Angelegenheiten.Geschäftsführender Vorstand und Stifter: Prof. Dr. Jan Philipp ReemtsmaVorstandsbüro: Matthias Kamm
Das Archiv wurde 1988 gegründet. Im Rahmen der Forschungs-, Publikations- und Ausstellungstätigkeit des Hamburger Instituts für Sozialforschung werden unterschiedliche Quellen wie Aktenbestände, Graue Literatur, Zeitschriften, Plakate, Fotos etc. zu verschiedenen Themen der Zeitgeschichte, insbesondere zum Thema Protestbewegungen, gesammelt.Die Bestände des Archivs stehen vorrangig den Forschungsprojekten des Hauses, aber auch einer interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung
ZeitschriftenGraue LiteraturFlugblätterPlakateAktenbestände / Sammlungen einzelner AkteureAktenbestände / Sammlungen politischer GruppenArchive / Teilarchive von Zeitschriften RedaktionenFotosFilm / Video / TonPresseausschnittsammlungen
Von den mehr als 1600 erfassten Zeitschriftentiteln liegen viele vollständig oder weitgehend komplett vor. Sie decken ein großes zeitliches, inhaltliches und politisches Spektrum ab. Sie reichen von den frühen 50er Jahren bis in die Gegenwart. Sie verbreiten Themen der Gegen- und Subkultur, der Friedens-, Ökologie- und Anti-AKW-Bewegung, der Studenten-, Schüler-, Lehrlings- und Jugendbewegung, der Arbeiterbewegung, der Bürger-, Menschenrechts- und Antirepressionsbewegung, der DDR- und Osteuropäischen Opposition, des Internationalismus, des Rechtsextremismus, des Antifaschismus, des Militanten Widerstands u.v.a.m. Über den Online-Katalog der Bibliothek sind sämtliche Zeitschriften recherchierbar. Zudem bezieht das Archiv zwischen 50 und 60 Zeitschriften aus dem aktuellen Spektrum der Bewegungen im deutschsprachigen Raum sowie zeit- und bewegungsgeschichtlich ausgerichtete Zeitschriften im Abonnement. Informationen zu den Zeitschriftenabonnements des Archivs können über die Web-Seiten der Bibliothek als Zeitschriftenliste oder im Online-Katalog recherchiert werden. Seit dem Jahr 2000 liefern Archiv und Bibliothek die Titelaufnahmen des Zeitschriftenbestandes an die Zeitschriftendatenbank (ZDB). Diese Bestände sind im WWW-Katalog der Zeitschriftendatenbank recherchierbar.
Zu dem thematisch und politisch breiten Spektrum liegen Broschüren, Hefte, Dokumentationen, Reader und Flugschriften vor. Es beginnt mit Druckerzeugnissen aus der Gründungsphase der Bundesrepublik wie Kleinschriften mit Reflektionen über den Neubeginn nach dem Weltkrieg, den Nationalsozialismus, die Deutsche Teilung u.a.m. Eine umfangreiche Raubdrucksammlung (1967-1971) verweist auf die zumeist illegalen Aktivitäten der Studentenbewegung, die nur eingeschränkt verfügbare Literatur der 20er und 30er Jahre zu den Themen Sozialismus, Kritische Theorie, Ökonomie, Psychoanalyse und Pädagogik zu rezipieren und einer größeren Leserschaft zugänglich zu machen.
Zu allen thematischen Feldern, von Anti-AKW-, Antirepressions- über Jugend-, Schüler- und Studentenbewegung bis hinzu Politischer Justiz und Zensur, verfügt das Archiv über ungezählte Flugblätter, die zumeist chronologisch geordnet und/oder nach Herausgebern differenziert abgelegt werden. Insgesamt handelt es sich um mehrere 10.000 Flugblätter aus den 60er bis 90er Jahren.
Mehr als 8000 politische Plakate aus den 50er bis 90er Jahren zählen zum Bestand. Sie werben für Veranstaltungen, Demonstrationen, politische Positionen mal ernst, mal witzig, mal ironisch-satirisch, mal polemisch. Viele bekannte Grafiker (Demokratische Grafik Hamburg, Dech, Drescher, Freitag, Grieshaber, Hachfeld, Helnwein, Holtfreter, Patzack, Rambow, Schaffernicht, Staeck, Volland, Wiescher u.v.a.m.) sind mit Arbeiten vertreten. Die Plakate sind systematisch und innerhalb der Gliederung zum Teil chronologisch oder nach Gruppen geordnet. Neben politischen Plakaten aus der Bundesrepublik sind auch zahlreiche Plakate aus Spanien, Italien, Frankreich, England, Irland, der Schweiz, Österreich, Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn, der Sowjetunion, China und Lateinamerika zu finden.
Den Beständen der politischen Akteure kommt eine herausgehobene Stellung unter den Quellen zu. Sie erlauben in besonderem Maße Innenansichten über die Motivation, die Arbeitsweise und Entwicklung der politisch Handelnden.
* Helmut Bausch (1921-1997): Er war Mitbegründer des Bundes der Deutschen (BdD, 1953), Redakteur der Deutschen Volkszeitung (die 1983 mit der Tat zur Deutschen Volkszeitung/die Tat fusionierte) und Aktivist in der Aktion Demokratischer Fortschritt (ADF) und in der Deutschen Friedensunion (DFU).* Joseph Wirth (1879-1956): Der ehemalige Reichskanzler war Vorsitzender des Bundes der Deutschen (BdD). Sein Anliegen war die Wiedervereinigung des geteilten Nachkriegsdeutschlands. Der Bestand ist in der Archivdatenbank erfasst.* Volkmar B.: Er sammelte in den 60er und 70er Jahren in Berlin aber auch in anderen Universitätsstädten intensiv die Informations- und Agitationsmedien (Flugblätter, Broschüren etc.) der politisch aktiven Studenten. Darunter befinden sich auch einige Aktenbestände universitärer Gremien und politischer Gruppen.* Rudi Dutschke (1940-1979): Der Nachlass Rudi Dutschkes verteilt sich auf zwei Standorte. Ein Teil befindet sich im Bundesarchiv, der andere Teil im Archiv des Hamburger Instituts für Sozialforschung. Rudi Dutschke war einer der bekanntesten Köpfe der Studentenbewegung und Mitglied im SDS / Berlin. Am 11. April 1968 wurde er von einem jungen Hilfsarbeiter, dem man eine rechte Gesinnung nachsagte, angeschossen und lebensgefährlich verletzt. Nach langer Genesungspause widmete sich Rudi Dutschke zunächst der wissenschaftlichen Arbeit (Promotion). Danach bestimmten wieder politische Themen der Linken sein Wirken. Rudi Dutschke starb Weihnachten 1979 an den Spätfolgen der Verletzung. Der Bestand ist in der Archivdatenbank erfasst.* Arie Goral-Sternheim (1909-1996): Er gehörte in den 20er und frühen 30er Jahren der jüdisch-sozialistischen Jugendbewegung an. Goral floh 1933 von Hamburg nach Frankreich und emigrierte 1934 nach Palästina / Israel. Dort verkehrte er in literarischen Kreisen, veröffentlichte Lyrik und Prosa und gründete Malstudios für Kinder. Nach dem Kunststudium an der Akademie in Florenz folgten zahlreiche Ausstellungen. 1953 kehrte er nach Hamburg zurück. Als Schriftsteller, Publizist, Galerist und Maler wurde er zum "Gewissen der Stadt", Träger der Hamburger Kulturpreise Biermann-Ratjen-Medaille und Alexander-Zinn-Preis-Stipendiat (1982). Beiratsvorsitzender des Jüdischen Museums Rendsburg (1992). Er starb am 23.4.1996 in Hamburg. Der Bestand ist in der Archivdatenbank erfasst.* Fritz Lamm (Sozialistische Initiativen, 60er Jahre)* Ronny Loewy (SDS, Studentenbewegung Frankfurt)* Andreas Salmen (Schwulenbewegung, 70er-80er Jahre)* Gertrud Wolferts (Friedensbewegung in NRW, 1960-1988)* Birgitta Wolf (1904): (Nothilfe für Gefangene, Reform des Strafvollzugs und Strafrechts, 1954-2002)
Aus Beständen kollektiver Akteure lassen sich Diskussionsprozesse, Entscheidungsmechanismen und die Wirkungsgeschichte der jeweiligen Bewegung ablesen.
* AStA der Hochschule für Wirtschaft und Politik (Hamburg, 1970-1999)* Bund der Deutschen / BdD und Deutsche Sammlung (1950-1965). Der Bestand ist in der Archivdatenbank erfasst* Sozialistisches Anwaltskollektiv Berlin (RAe Christian Ströbele, Klaus Eschen, Horst Mahler, 1965-1975)* Kommune 1 (Berlin, 1967-1969)* Rote Armee Fraktion / RAF (Schwerpunkt 1. Generation, 1970-1998). Der Bestand ist in einer separaten Datenbank-Dokumentation erfasst* Komitees gegen Berufsverbote (Bundes- und Landesorgane, 1972-2000)* Sozialistisches Büro / SB (Offenbach und Hamburg, 1969-1996)* Kommunistischer Bund / KB (Hamburg, 1970-1989), Antirepressionsarbeit und politische Justiz* Evangelische Studentengemeinde Hamburg / ESG (1970-1978)* Ring Bündischer Jugend / RBJ (Hamburg, 1970-1980)
Die Bestände der Zeitschriften-Redaktionen lassen Aussagen über das Reflexionsniveau, den Vernetzungs- und Verbreitungsgrad der jeweiligen Bewegung zu.
* Rote Blätter, Studentenmagazin, Organ des Marxistischen Studentenbundes Spartakus (1971-1989)* Elan, Zeitung für internationale Jugendbegegnung (1958-1989)* Deutsche Volkszeitung/DVZ (50er Jahre)* APO-Press, Informationsblatt der Studenten, Schüler und Arbeiter in Hamburg (1969-1970)* Hamburger Frauenzeitung (1981-1999)
Die Fotosammlungen entstammen überwiegend den Aktenbeständen einzelner Akteure oder einzelner politischer Gruppen. Sie befinden sich damit weiter in dem Kontext, aus dem sie entstanden sind. Zudem findet sich im Archiv ein großer Bild-Bestand des Fotografen Manfred A. Tripp. Mit ca. 90.000 Fotos liegt der inhaltliche Schwerpunkt auf der Dokumentation der Proteste in Hessen und NRW von 1956-1989. Zusammen besitzt das Archiv ca. 95.000 Fotos.
* Bund der Deutschen / BdD (Wiedervereinigung, 50er Jahre)* Aktion Demokratischer Fortschritt / ADF (Notstandsgesetze)* Deutsche Friedensunion / DFU (60er Jahre)* Ermittlungsausschuss "2. Juni 1967" an der FU Berlin* Studentenbewegung (60er-70er Jahre)* Anti-AKW-Bewegung (70er Jahre)
Zu den Themen der Sondersammlung "Protest, Widerstand und Utopie in der BRD" werden unregelmäßig zeitgeschichtliche Dokumentationen mitgeschnitten. Darüber hinaus enthalten einige Bestände Film- bzw. Videoaufzeichnungen von Veranstaltungen, Aktionen und Demonstrationen.
* Studentenbewegung (Ermittlungsausschuss 2. Juni 1967, "1968")* Rechtsextremismus* Militanter Widerstand / Bewaffneter Kampf (RAF, 2. Juni u.a.)
Zu unterschiedlichen Themen liegen Presseausschnittsammlungen vor. Sie geben Hinweise auf die Resonanz, die politische Interventionen in einer breiteren Öffentlichkeit gefunden haben.
* Politik und Protest. Gesellschaftspolitische Konflikte in der Bundesrepublik (1967-1984)* Außerparlamentarische Opposition und Friedensbewegung (60er-80er Jahre)* RAF und Bundesrepublik (1970-2000)
Stand: 28.10.2005