December 19th, 2005
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FRÜHSTÜCK BEI HELNWEIN
Posted by ju*
Und plötzlich war ich 12 und saß frühstückend in W.s Esszimmer. Da nämlich klemmte Helnweins “Self-Portrait 29″ am völlig mit Schallplatten und Büchern überfüllten Schrank und ärgerte mich, weil ich, den Mund voll Kaffee und Honigsemmel, unentwegt hinstarren musste und “Wah, wäh, Gabelaugen!” denken. Ich habe diesen Umstand all die Frühstücksjahre hindurch geschickt verborgen. Helnwein jedoch hat meine dunkle Faszination sehr wohl gespürt und mich immer wieder einmal auf verschiedenen Wegen kontaktiert, immer zur richtigen Zeit, immer passgenau. Gerade wieder, also: passgenau. Ich bin fasziniert, die Bilder laufen in meinen Kopf, als hätte ich eine Direktverbindung, ich muss nichts erklärt bekommen, ich bilde mir ein, die Intention zu verstehen, den Spaß, die Dunkelheit. Wahrscheinlich kommen viele der Bilder nur einem latenten Gefühl entgegen, das, wenn ich nicht gerade schleimgefüllt am Rechner sitze, in mir summt wie ein kaputtes Kabel.

Momentan fühle ich mich netzübersättigt. Wenn ich via Internet zuviele bisweilen vielleicht lustige, aber dennoch sinnlose Informationen aus fremden Leben aufnehme, sitze ich plötzlich vor dem Rechner und fühle, wie mein Inneres sich in zäh umherschwappenden Schleim verwandelt. Keine Knochen, kein Gehirn, nur Geschleime. Das ist mir natürlich unrecht.

Dennoch kam ich gerade via einiger Umleitungen zum "Federboasimulant" welcher mich milde winkend an Gottfried Helnwein weiterreichte.