February 15th, 2006
Badener Zeitung
Gewalt und Verletzlichkeit als Spiegelbild einer Gesellschaft
Werke Gottfried Helnweins endlich in Österreich zu sehen

In Wien, noch in seiner Studienzeit an der Akademie der Bildenden Künste, nahm Gottfried Helnwein auf Grund seines überragenden Talentes bereits eine Sonderstellung ein. Da waren die internationale Karriere und der durchschlagende Erfolg seiner Arbeiten nur folgerichtig. Helnwein ist außerdem einer der wenigen Künstler, den man auf Anhieb weltweit mit seinen Werken assoziiert und umgekehrt.

Seine letzte Einzelausstellung in Österreich liegt schon längere Zeit zurück. Sie fand 1985 in der Albertina in Wien statt. Umso erfreulicher ist es, dass das Lentos Kunstmuseum in Linz nun Helnwein eine Personale widmet. Die Ausstellung „Face It“ dauert von 10. März - 5. Juni.

Der bei dieser Ausstellung aufliegende Katalog wird über den Verlag Brandstätter, der zur Hälfte von dem Vöslauer Unternehmen Grasl Druck & Neue Medien übernommen wurde, im firmeneigenen Druckhaus gefertigt. Ein Auftrag, der die Begegnung mit dem Künstler mit sich brachte, da Helnwein den Farbabgleich seiner Bilder und Fotografien selbst vornahm.

Auf unprätentiöse Art erzählte er aus seinem Leben, von seiner Familie und seiner Arbeit. Helnwein, der in Los Angeles und Irland lebt und dort ein wunder-schönes, von ihm behutsam restauriertes Schloss besitzt, kann sich noch gut daran erinnern, wie er anfangs in Österreich die Kunstszene polarisierte. Ein Umstand auf Grund dessen 1971 in Mödling auf Anordnung des Bürgermeisters sogar die Bilder einer Ausstellung abgehängt werden mussten. Heute besitzen nicht nur namhafte Sammler seine Werke, sondern auch die größten Museen der Welt.

Allein im Fine Arts Museum in San Francisco konnten in seiner Ausstellung „The Child“ über 130.000 Besucher registriert werden. Helnwein ist ein ungemein produktiver Künstler, der neben seinen großformatigen, meist in Mischtechnik ausgeführten Bildern auch der Fotografie in seinem Schaffen breitesten Raum gibt. Außerdem ist er ein gefragter Bühnenbildner. Beeindruckend seine Arbeit für den „Rosenkavalier“ von Richard Strauss in der Los Angeles Opera 2005.

Seinen Erfolg führt Helnwein, durch dessen Schaffen sich der irritierende und verstörende Blick in die Seele des Kindes wie ein roter Faden zieht, darauf zurück: „ dass ich nie irgendwelchen Trend aufgenommen habe und immer frei und unangepasst meinen künstlerischen Weg gegangen bin“.