Wenn etwa Feministinnen in einer merkwürdigen Abwandung des sozialistischen Realismus, die man einen feministischen Realismus nennen könnte, erzürnt gegen Kunstwerke wettern, die Frauen als das verunstaltete Produkt einer brutalen patriarchalischen Gesellschaft zeigt, das sie sind, und statt dessen die Darstellung von emanzipierten Heroinnen fordern, die sie sich für eine ferne Zukunft wünschen, die aber kaum noch existieren, so kann, willfährt man ihrem Postulat, nur ein beschönigender Pseudorealismus herauskommen, ein Phänomen, das man in der Sowjetunion spöttisch "lakirovka" nannte.

Offenbar erträgt der Betrachter die humoristische Verzerrung der Karikatur leichter als die groteske verzerrung des genau gezeichneten Gesichts. Offenbar erträgt er die permanente Aggressivität des bewegten (Frenseh-) Bildes eher als den erstarrten Augenblick, den Helnwein in seinen Studien unbarmherzig festhält. Helnweins Bilder erzählen aus einem Moment heraus Geschichten.
Helnwein hat unter anderem Edgar Allan Poe illiustriert, und es ist whol diese Nähe zur Literatur, die Leute wie H.C. Artmann, Wolfgang Bauer und Barbara Frischmuth veranlaßten, sich von Helnweins Bildern zu Texten anregen zu lassen. Man findet diese zusammen mit zahlreichen, zu einem großen Teil farbigen Abbildungen in dem prachtvollen Band: Gottfried Helnwein, Orac-Pietsch, Wien, 1981, 303 S, 56,-DM.