PARLAMENTSKORRESPONDENZ/BL/30.10.1997/Nr. 691
Vernissage mit dem Wiener Maler Sammy Konkolits - "Narrenfreiheit"Wien (PK) - Der grosse österreichische Schauspieler Oskar Werner würde am 13. November seinen 75. Geburtstag begehen. Aus diesem Anlass lud der Zweite Präsident des Nationalrates, Dr. Heinrich NEISSER, heute zur Vorstellung der Sondermarke "Oskar Werner" in das Parlament. Die Briefmarke zeigt den Schauspieler in der Rolle des Feuerwehrmannes Guy Montag aus dem berühmten Film "Fahrenheit 451" von Francois Truffaut. Die künstlerische Gestaltung der Briefmarke oblag dem Wiener Maler Sammy KONKOLITS, der unter dem Titel "Narrenfreiheit" überdies eine Auswahl seiner Werke in der Säulenhalle präsentierte.Präsident Dr. NEISSER begrüsste die zahlreichen Gäste aus Politik und Kunst und gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass sich das Parlament in den letzten Jahren immer mehr zu einem Ort entwickelte, an dem nicht nur vom Rednerpult aus über Kulturpolitik gesprochen wird, sondern tatsächlich Begegnungen mit den Künstlern stattfinden. "Vor kurzem waren hier in der Säulenhalle Bilder von Meisterklassen zu sehen - heute begegnen wir einem Meister, der eine Klasse für sich darstellt", sagte Neisser und machte darauf aufmerksam, dass es Entwürfe für österreichische Briefmarken waren, mit denen Konkolits Berühmtheit erlangt hat. So im Jahr 1991 mit der Sondermarke aus Anlass des 100. Geburtstages von Julius Raab und mit Marken für die Austropopper Reinhard Fendrich, Ludwig Hirsch und Falco. Neisser wies auch auf das umfangreiche malerische Werk des jungen Wiener Künstlers und Postbeamten hin, der wie viele grosse österreichische Künstler aus der Beamtenschaft hervorgegangen ist.Zum Brückenschlag zwischen Kunst und Politik war an diesem Kulturabend im Parlament in besonderer Weise Franz MORAK berufen. Der Burgschauspieler und ÖVP-Abgeordnete erinnerte zunächst daran, dass das Auftreten Oskar Werners eines der prägendsten Ereignisse war, das auf der Bühne des Burgtheaters stattgefunden hat. Morak setzte sich dann mit dem speziellen Vermittlungsproblem der heutigen Kunst auseinander und erklärte es zur aktuellen Aufgabe der Kulturpolitik, den Menschen die Welt der Kunst nahezubringen. Das Werk des Sammy Konkolits sah Morak in der Wiener Tradition von Deix und Helnwein. Im Mittelpunkt seiner Kunst stehe der Mensch und das Anliegen, mit völlig gegenständlichen Darstellungen auf eine schockierende Art die Welt der Wiener Redensarten zu enträtseln.Dass Konkolits für diese Aufgabe auch die nötige Portion an Humor zur Verfügung steht, bewies der Künstler, als er den Vernissagegästen selbst erklärte, wie er in seinen Malereien Alltagssprüche in eine irreale Welt übersetzt, die er mit überraschend realistisch dargestellten Harlekinen, überdimensionalen Knödeln, spielenden Kindern oder Elefanten in Aspik bevölkert. Die Titel der Bilder gehören zu dieser Methode der Enträtselung und lauten: "Übermut tut selten gut", "Der Kunde ist König", "Narrenkastel" oder eben "Narrenfreiheit". Und als ihm schliesslich die Frage gestellt wurde, wie er als Maler mit seiner Farbenblindheit zurechtkomme, gab der erstaunliche Künstler eine ebensolche Antwort: "Auf den Tuben steht ja drauf, was drin ist". (Schluss)
HTML-Dokument am 30.10.1997 erstellt.