Südtirols älteste und symbolträchtigste Burg als Bergsteigermuseum zu nutzen, sollte vor der Kulisse der Ötztaler Alpen eigentlich kein besonderes Aufsehen erregen. Vorausgesetzt natürlich der Burgherr auf Schloss Sigmundskron vor Bozen, die auch Schauplatz der Autonomieforderungen von 1957 war, heißt nicht Reinhold Messner.
Wenn der ehemalige Abgeordnete für die Grünen im Europaparlament vom Berg spricht, gebraucht er sehr gerne die Vokabeln "Gefahr und Überwindung". Trauriger Beweis für die Gefahren am Berg ist ein einzelner Bergschuh seines am Nanga Parbat umgekommen Bruders Günther als Teil der Ausstellung. Die Überwindung symbolisiert wohl am deutlichsten die Existenz dieses Museums selbst, denn die großen Widerstände vieler Südtiroler, Messner die Deutungshoheit über diesen Ort zu überlassen, macht den nicht besonders hohen Kamm, auf dem Sigmundskron steht, zu seinem "fünfzehnten und schwierigsten Achttausender", wie er gern betont. Der Besucher darf heute nur insofern an diesem "Kampf mit dem Berg" teilhaben, als die letzten und entscheidenden Meter hierauf auch tatsächlich nur zu Fuß bewältigt werden können.
Den Yeti hat Messner freilich versucht, so detailgetreu wie aus der Erinnerung am Himalaya nur irgend möglich, nachzubilden und auszustellen. Die Yaks aus Tibet, die friedlich vor der Ruine grasen, tragen jedenfalls wesentlich zur Vorstellungskraft der Besucher bei.Es erstaunt somit ein wenig, dass ausgerechnet ein exzentrisches "Bergsteigermuseum" die Stadt mit nur 100.000 Einwohnern endgültig um den Ruf eines "maximal Gourmet-affinen Basislagers für Wanderer" gebracht hat. Ganze Vorarbeit haben in den letzten Jahren bereits Einrichtungen wie der Internationale Tanzsommer in Bozen geleistet, der Tanzkompanien aus der ganzen Welt ein Forum bietet. Bis in den Oktober finden im Rahmen des Bozen Festivals Kulturveranstaltungen statt, die sich inhaltlich und in ihrer Dichte nicht von der geringen Einwohnerzahl und der alpinen Lage irritieren lassen.
Die wirkliche kulturelle Herausforderung fällt dann aber tatsächlich mit dem Beginn der herbstlichen Wandersaison zusammen: Im September nehmen sowohl das Transart-Musikfestival als auch die "Kleinkunst"-Bühne Carambolage wieder ihren Betrieb auf. Transart versucht, zeitgenössische Südtiroler Musik auf Weltmusik im weiteren Sinne treffen zu lassen, zu den interessanten Orten der Begegnung zählt etwa die alte Bahnhofsremise in Bozen. Das Kellergewölbe eines Eisenwarenlagers haben Carambolage auserkoren, um mit darstellender Kunst auf die zweisprachige Realität Bozens zu reagieren - ab 28. 9. tun sie das wieder mit einer Eigenproduktion nach dem Detroiter Dramatiker Neil LaBute.
Auch Menschen mit Tirolerstuben-Phobie dürfen sich heute für ein paar angenehme Tage nach Bozen wagen. Oder zumindest ins Hotel Greif, das geweihlose "AugenLust" verspricht. Darunter darf man sich 33 komplett unterschiedliche Zimmer vorstellen, die im vom Wiener Architekten Boris Podrecca verjüngten Haus aus dem 16. Jahrhundert als bewohnbare Galerien funktionieren. Das Museum Moderner Kunst in Bozen traf die Vorauswahl für die 33 "Innenarchitekten", die in den Zimmern ihre jungen, wilden Spuren hinterließen.
Das MMM Firmian ist Di-So von 10-18 Uhr geöffnet. Eintritt für Erwachsene: 8 €.Bolzano BozenReinhold Messner
(Sascha Aumüller, Der Standard, Printausgabe 29./30.7.2006)