October 6th, 2006
Die Welt
Gottfried Helnwein in der Galerie Brockstedt
Andrea Hilgenstock
Berlin
Provokateure in der Kunst gibt es schon eine Weile. Besonders in Österreich tritt diese Spezies seit den 60er Jahren hervor. Man denke nur an Hermann Nitsch, Arnulf Rainer oder Günter Brus. Gottfried Helnwein (geb. 1948), etwas jünger, hat sich ebenfalls als Enfant terrible etabliert. Gesicht und Hände mit Rasierklingen bearbeitend, von Wien nach Venedig pilgernd, ohne zu essen und zu schlafen, oder sich selbst porträtierend als "Schreiender - Geblendeter." Jetzt kann man in der Galerie Brockstedt überprüfen, wie sich der Künstler zwischenzeitlich entwickelt hat.

Auf seinem bekannten Selbstporträt präsentiert er sich mit einer Mullbinde um den Kopf, die Augen mit Gabelspitzen versperrt, den Mund zum Schrei geöffnet. Aus dem Magischen Realismus heraus ist auch seine "Pietà" entwickelt, auf der ein zeitgenössisch aussehender Jugendlicher seinen Vater auf Knien hält. Daneben sind aber auch abstrakt anmutende Arbeiten zu betrachten, auf denen sich etwa Joseph Beuys kaum erkennbar hinter dunkelblauer Farbe verbirgt.

Das personifizierte Geheimnis - zu entdecken hinter raffiniert und gekonnt behandelter Oberfläche. Technisch zeigt sich Helnwein äußerst versiert und vielseitig. Ein Alt-Meister der Feinmalerei und des Ziselierens noch winzigster Härchen. Auch als famoser Zeichner prägt sich der Maler, Fotograf, Aktions- und Installationskünstler ein, nicht zuletzt aufgrund seiner karikaturistisch zugespitzten Bildfindungen. Etwa in der "Hommage à Edward Hopper", einen einsamen Frosch mit Feenhut im leeren Raum bei besonderem Lichteinfall zeigend, oder die Mischtechnik "Der blaue Engel" mit dem kleinen Ulrich Wildgruber zwischen überdimensionierten Schenkeln der großen Ute Lemper.

Der Scharfblick dieses Künstlers und die pointierte Zuspitzung sind sein besonderes Kapital. So bleibt auch die Schwarz-Weiß-Fotografie von Arno Breker in Erinnerung, den Helnwein 1988 mit einem Beuys-Porträt inszenierte, das dieser scheinbar angewidert vorzeigt. Der Monumentalplastiker und der Mythenmagier, der braune Mitläufer und der grüne Monolith, zwei Kunst-Antipoden, die hier in prägnant-sarkastischen Zusammenhang gebracht werden.

Die Preise beginnen bei 350 Euro für einen Offsetdruck und reichen über 18 000 Euro für eine Farbstift-Zeichnung von 1986 (65x88 cm) bis zu 120 000 Euro für ein großes Gemälde (210x310

Berlin, Mommsenstr. 59; bis 21. Oktober. Di-Fr 10-18, Sa 10-14 Uhr.