November 30th, 2006
Kleine Zeitung
"Kunsthaus spielt in der Europa-Liga"
Walter Titz
Vor drei Jahren wurde das Kunsthaus Graz eröffnet. Das Medienecho war enorm. Nun ist der Alltag eingekehrt und mit ihm die Kritik an der Ausstellungspolitik.
Kunsthaus-Chef Peter Pakesch ist zufrieden: "Das ist in einer Stadt wie Graz mit einem Haus, das sich dezidiert der zeitgenössischen Kunst widmet, machbar." Ein Vergleich: Das Linzer Lentos hatte 2005 57.100 Besucher, heuer (Gottfried Helnwein sei's gedankt) bisher 65.000.

Gut 80.000 Besucher kamen 2005 in das Kunsthaus Graz, so viele werden es auch heuer werden. Rund je ein Drittel aus Graz, Restösterreich und dem Ausland. Kunsthaus-Chef Peter Pakesch ist zufrieden: "Das ist in einer Stadt wie Graz mit einem Haus, das sich dezidiert der zeitgenössischen Kunst widmet, machbar." Ein Vergleich: Das Linzer Lentos hatte 2005 57.100 Besucher, heuer (Gottfried Helnwein sei's gedankt) bisher 65.000. Pakesch kennt die Kritik an seiner Programmpolitik, bekennt sich aber zu dieser. Neben Literaturhaus und Kindermuseum sieht er in der "Blauen Blase" die Nachhaltigkeitsforderung von 2003 "bestens erfüllt": "Das Kunsthaus spielt in der Europa-Liga, die Künstler, die ausstellen, schätzen die Rahmenbedingungen - motivierte Kuratoren und ein fachkundiges Publikum."

100.000 Euro. "Ärgerlich" findet Pakesch "Kritik aus Unkenntnis". "Eine hochkarätige Ausstellung klassischer Moderne ist in Graz einfach nicht zu machen - sie ist nicht finanzierbar." Anders als die großen Wiener Häuser habe Graz keine "lending power", also keine Sammlungen, mit denen man im Austausch erstklassige Werke in die Steiermark bekommen könnte. "Wenn ich 100.000 Euro pro Bild zahlen kann, ist das natürlich kein Problem." Abgesehen davon gelte für ihn der Auftrag, mit dem er das Kunsthaus übernommen habe: "Die zeitgenössische Kunst in ihren vielen Aspekten präsentieren." 2007 wird das in vier Ausstellungen geschehen, "die können wir uns beim gedeckelten Budget gerade noch leisten". Weniger Termine hält Pakesch für kontraproduktiv, "weil leicht der Eindruck erweckt werden kann, da tut sich nichts".

Gespräche. Der Waliser Cerith Wyn Evans und der Österreicher Werner Reiterer richten Personalen aus, "Lasst 1000 Blumen blühen?" bringt fast ausschließlich für Graz maßgeschneiderte Arbeiten chinesischer Künstler, "Szenarien im Bezirk" sind in der näheren Umgebung angesiedelt. Den kolportierten geplanten Ausstieg der Stadt Graz aus dem Kunsthaus nennt Finanzstadtrat Wolfgang Riedler gegenüber der Kleinen Zeitung "überhaupt nicht angedacht". Es werde allerdings "in Zeiten, in denen es Reduktionen in allen Bereichen gibt"! demnächst Gespräche mit dem Land geben: "Wir müssen sicher eine neue Form der partnerschaftlichen Finanzierung finden." Keinen Hehl macht Riedler aus seinem Wunsch, "Inhalte zu überdenken".