February 13th, 2007
BZ
Wie hart ist es, die Tochter von Helnwein zu sein?
Björn Schäffer
Kultur
BZ-Gespräch mit Mercedes Helnwein, der Tochter des Schockmalers. Sie zeigt ihre Zeichnungen in der pool gallery
Gequälte Kinder, bandagierte Köpfe, Schmerz, Verletzungen, Gewalt. Die Schockbilder des Malers Gottfried Helnwein (58) sind nichts für zarte Gemüter. Seine Tochter Mercedes (25) wuchs damit auf. Hatte sie als Kind keine Angst vor den Albtraum-Ikonen ihres Vaters?

"Ich könnte mir seine Bilder ins Schlafzimmer hängen"

"Nein, es war komplett normal für mich!" sagt sie beim B.Z.-Interview anlässlich ihrer eigenen Ausstellung mit 22 Zeichnungen unter dem Titel "strange days" in der Berliner pool gallery. "Die Zeichnungen und Bilder waren immer um mich herum. Mir ist klar, dass es vielen Leuten nicht leicht fällt, die Bilder meines Vaters ohne weiteres anzuschauen, weil einige Werke ganz schön schwer zu verarbeiten sind. Aber ich könnte sie mir in mein Schlafzimmer hängen und hätte trotzdem kein Problem damit. Gelegentlich hat er mir die Bilder erklärt, und dann war das in Ordnung!"

Weniger gern hatte sie es, wenn der Vater seine Kinder als Modelle einspannte: "Mein jüngerer Bruder Ali wurde häufiger von ihm fotografiert. Ich war viel unruhiger und wollte nicht so lange still sitzen. Auf einem Bild, auf dem ich ca. 12 Jahre alt bin, hat mein Vater zum Beispiel meine Hände bandagiert. Als ich jünger war, war ich allerdings nicht immer so ganz einverstanden. Ich wollte nicht unbedingt mein Gesicht blau bemalt bekommen, ich wollte lieber eine hübsche Prinzessin sein."

Ist sie religiös? "Nein, nicht wirklich. Auch meine ganze Familie ist ziemlich offen für alles", antwortet sie.

"Zahnarzt wäre kein Beruf für mich gewesen"

War der Künstlerberuf durch den Vater programmiert? "Ich wurde zwar nicht dazu gedrängt, aber es kam mir überhaupt nicht in den Sinn, etwas anderes als Kunst zu machen", sagt sie. "Zahnarzt wäre nichts für mich gewesen."

(bis 24.3. Tucholskystraße 38). Björn Schäffer

Mercedes Helnwein