March 23rd, 2007
Die Presse
Donald Duck: Der Schnabel der Welt
Christina Böck
Politiker, Künstler, Wissenschafter – mögen sie sonst nicht zusammenfinden, eine gefiederte Kultfigur eint sie doch: Donald Duck. Jetzt kommt die Ente ins Museum.

Das Wort Tobsuchtsanfall wurde zweifellos für diese Ente erfunden. Aber keiner kann sich so charmant giften wie Donald Duck. Denn als wahrer Entenfreund weiß man – er hat immer allen Grund dazu. Ein fantastilliardenschwerer Onkel, der ihn nur ausnützt, eine schnippische Dauerflamme, die ihn nur hinhält, naseweise Neffen und ein pomadeglänzender Cousin, der immer den Geldschein am Boden findet, der eigentlich ihm gebührt: Und doch steht der Erpel nach aller Schmach auch nach mehr als 70 Jahren immer wieder auf. Dass aus Donald Duck eine so schillernde Persönlichkeit wurde, verdankt die Ente (und wir) dem Ausnahme-Comickünstler Carl Barks. Das Karikaturmuseum widmet ihm jetzt eine große Ausstellung. Im Vorfeld hat das Schaufenster bekennende Enten-Liebhaber - Alexander Van der Bellen, Rudolf Taschner, Alfred Komarek, Manfred Deix, Gottfried Helnwein, Ingried Brugger, Linda Stift, Franzobel - mit einem Fragebogen bestückt.

1. Wie ist Ihre persönliche Enten-Geschichte? Eine Kindheitserinnerung oder eine reife Liebe?2. Was macht die Ente im Museum? Wieso denken Sie, dass Donald Duck ein schützenswertes Kulturgut ist?3.Erinnern Sie sich an eine Episode oder ein Zitat, in der/dem Sie sich selbst wiederfinden?4. Haben Sie klassische Onomatopöien (kreisch, seufz, stöhn) selbst im Gebrauch?5. Warum trägt Donald keine Hose?6. In welches Entenhausener Wohnzimmer würden Sie sich gern einladen?7. Hatte Dagobert einmal etwas mit Gundel Gaukeley? Wie ist das Verwandtschaftsverhältnis von Daisy und Donald? Warum lässt sich Donald von Dagobert alles gefallen? Gehört das Fähnlein Fieselschweif zu den Illuminati? Fragen über Fragen – welche Frage über den Entenkosmos quält denn Sie schon seit Jahren?

GOTTFRIED HELNWEIN ÜBER ENTENHAUSEN

Interview15. März 2007Die PresseKulturChristina Böck

Gespräch mit Gottfried Helnwein über die Ausstellung "Donald Duck - Die Ente ist Mensch geworden" im Karikaturmuseum Krems
Helnwein: Die archaischen Aphorismen, sinnigen Sentenzen, merkwürdigen Metaphern und wundersamen Weisheiten, welche die Sprache Entenhausens prägen, haben mich stets begleitet auf meinem Lebensweg und waren mir Erbauung, Mahnung und Trost in dunklen Stunden. — Ich verweise hier zum Beispiel auf den, nur schwer widerlegbaren, Ausspruch Dagobert Ducks: "Feingold ist besser als kein Gold" oder auf die Erkenntnis Daniel Düsentriebs: »Das beste Werkzeug ist ein Tand in eines tumben Toren Hand« - Bemerkenswert auch der erhabene Epilog einer ehrbaren Entenhausnerin: »Ich erziehe meine Töchter nach dem Grundsatz: 'Im Entsagen reich, im Ertragen stark, in der Arbeit unermüdlich!' Sittenloses Treiben lehne ich ab.«