March 23rd, 2007
Kurier
Ob am Boden zerstört, überglücklich, naiv oder übertölpelt: Carl Barks hat Donald Duck seinen Charakter verliehen.
Caro Wiesauer
Helnwein zeigt Carl Barks im Karikaturmuseum Krems
In einen riesigen Geldspeicher von Uncle $crooge wurde das Portal des Karikaturmuseums Krems umgestaltet. Im Zentrum der comicgelben Innenwelt des Museums steht aber nicht der Dagobert Duck, sondern sein Neffe - und mit ihm sein "Vater" Carl Barks. "Donald Duck ... und die Ente ist Mensch geworden" heißt die Ausstellung, die am Samstag eröffnet wird. Die beiden Barks-Verehrer Gott- fried Helnwein und Manfred Deix haben eine Schau gestaltet, die sich dem zeichnerischen und poetischen Werk von Carl Barks widmet. Unter den rund 250 präsentierten Werken sind rare und wertvolle, originale Comic-Seiten, Skizzen, Erstausgaben, Briefe und Manuskripte; Fotos von Barks bei der künstlerischen Arbeit, sein Handwerks-Zeug und sogar eine mottenzerfressene Donald-Puppe aus den 30er-Jahren.

Ernsthafte Hingabe Im ersten Raum kann man den Werdegang Donalds vom hässlichen Erpel zum Superstar nachvollziehen. Mit langem Hals, spitzem Schnabel und Flügelhänden musste er in den Abenteuern von Mickey Mouse ein belangloses Nebenrollen-Dasein fristen. Dann kam, 1935, Carl Barks zu Disney. Er nahm das Zeichnen von Comics ernster als je ein Mensch zuvor. Mit Hingabe widmete er sich dem Schicksal Donalds und hielt ihn in all seinen Posen in den heute noch gültigen "Model-Sheets" fest.1942 verabschiedete sich Barks von den Disney-Studios. Er wollte nicht nur Gags produzieren, sondern Geschichten erzählen. Er wechselte zur Untergruppe Western Publishing. Das erste Heft mit Donald am Cover kam auf den Markt. Barks erfand neben Donald auch Dagobert mit Geldspeicher, Daniel Düsentrieb, Gustav Gans und ganz Entenhausen dazu.1951 gab es das erste deutsche Heft, übersetzt von der genialen Erika Fuchs ("Dem Ingeniör ist nichts zu schwör").Sie lernte Barks 1997 kennen-drei Jahre vor seinem Tod.Im Obergeschoß kann man neben späten Lithografien von Barks auch Duck'sche Werke von Helnwein und Deix bewundern. Und im Museums-Shop werden kleine Herzen höher schlagen.

Nachgefragt

Kurator Helnwein über den Erpel und Mona Lisa

KURIER: Was fasziniert Sie an Donald Duck?

Gottfried Heinwein: Donald besteht nur aus einer schwarzen Linie, die ein Wesen darstellt, das gar nicht wie ein Mensch aussieht - trotzdem gibt es kein Werk in der Kunstgeschichte, das menschliche Emotionen besser darstellt.

KURIER: Wann haben Sie Donald kennengelernt?

Gottfried Heinwein: In meiner Kindheit. Wien war dunkel wie die Vorhölle. In diese Leere trat DonaldDuck wie ein Erlöser.

KURIER: Sie zentrieren die Schau auf Carl Barks. Warum?

Gottfried Heinwein: Barks war der genialste Comiczeichner. Comic-Kunst ist eine Kunstrichtung, die in Museen gezeigt gehört.