Wenn einen die Muse küsst, dann ordentlich, so scheint's. Marilyn Manson etwa. Als Skandal-Rocker (wahlweise auch Pop-Zombie) hat er sich längst einen Namen gemacht, nun will er die Welt auch noch an seinem großen Hobby, der Aquarell-Malerei, teilhaben lassen. Vor kurzem wurde in Köln (Manson ist Wahl-Berliner) seine Ausstellung eröffnet, bei der 33 seiner Bilder zu sehen sind (und zu kaufen, natürlich). Und der Beiname „Schock-Maler“ war geboren.
Denn Mansons Werke sehen ungefähr so aus, wie seine Musik klingt. Unheimlich, gruselig. Thematisch orientiert er sich an bizarren Morden und skurillen Krankheiten. Daher verwundert es etwas, dass der 38-jährige Manson meinte, er könne in seinen Bildern das ausdrücken, was ihm in seiner Musik nicht gelingt. Weiters habe er seine Beziehungs-Probleme mit dem Pinsel in den Griff zu bekommen versucht. (Hat nicht funktioniert. Manson und Dita von Teese sind mittlerweile geschieden).
Wie der Bürgerschreck zur Malerei kam, ist, wenn nicht wahr, dann gut erfunden. 1999 hat er Fünf-Minuten-Aquarelle gemalt und sie an Drogendealer verkauft. Sonst wollte er sie eigentlich niemanden zeigen. Ob das vielleicht eine gute Idee gewesen wäre, sei dahingestellt. Jedenfalls: Ein guter Zeitpunkt für die Ausstellung, ist doch eben sein mit Todessehnsucht und Okkultismus gespicktes Album „Eat me, drink me“ erschienen. Da schadet es natürlich nicht, wenn er durch seine Bilder ein wenig Extra-Aufmerksamkeit bekommt.
Ähnlich geht auch Rolling-Stones-Gitarrist Ron Wood vor. Der 60-Jährige malt seit langem und richtig, äh, gern. Und nimmt seine (Öl-)Bilder zwecks Verkaufs-Steigerung mit, wenn die Stones auf Tournee sind. Die „Ron Wood Art Show“ nennt sich das. Dass Picasso, Van Gogh und der Österreicher Gottfried Helnwein seine Vorbilder sind, merkt man auch auf den zweiten Blick eher nicht. Was egal ist, denn Wood verdient gut mit seinem Oeuvre, das namhafte Galerien und Museen weltweit ausgestellt haben. Woods Lieblings-Motive: Seine Stones-Kollegen und vom Aussterben bedrohte Tiere. (Was wir jetzt einfach einmal so stehen lassen.)
Auch Udo Lindenberg malt mittlerweile mehr, als er singt, behaupten böse Zungen. Und zwar das, was er am liebsten mag: Sich selbst. Mit und ohne Sonderzug nach Pankow. Statt Wasserfarbe verwendet er Eierlikör und anderen Alkohol, für seine Bilder hat er sich daher ganz konsequent den Begriff „Likörelle“ ausgedacht.
Es muss aber nicht immer die Malerei sein, bei der Promis in ihrer Zweit-Karriere landen. Die als Sängerin massiv gehypte Norah Jones versuchte unter Wong Kar Wais Regie in „My Blueberry Nights“ kürzlich, auch als Schauspielerin Fuß zu fassen. Und Model Claudia Schiffer werkelt gerade (sehr fleißig, wie sie sagt) an ihrer ersten Schmuck-Kollektion. Ein eigenes Parfum hat sie ja schon. Ketten und Ringe à la Claudia sollen noch heuer auf den Markt kommen. Angeblich wird die Kollektion (zumindest preislich) von der billigen Sorte sein.
Und dann wäre da noch Christina „Mausi“ Lugner, von der seit der Vorwoche auch jeder, der es nicht wissen will, weiß, dass sie ein Buch schreibt. Das wird, je nachdem welchen Gerüchten man glaubt, entweder eine „Lebensbeichte“ oder ein Geschenk für Ehemann Richard zum 75er. Oder beides.
Während sich Mausi als Schriftstellerin versucht, arbeitet Manson an seiner Dritt- und Viert-Karriere: Er führt Regie bei einem Film über Lewis Carroll (den „Alice im Wunderland“-Autor), bei dem er auch gleich die Hauptrolle spielt. Voll zugeschlagen, die Muse.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2007)