BONN (dpa). "Der Ring des Nibelungen" in der Version des Choreografen Johann Kresnik in der Bonner Oper wiegt ebenso schwer, wie der riesige, goldene LKW-Reifen, der ihn symbolisieren soll. An ihm hatten bei der Uraufführung der jüngsten Produktion des Bühnenberserkers Kresnik alle Protagonisten und auch wohl die meisten Zuschauer arg zu schleppen. In nur knapp 100 Minuten unternimmt das Choreografische Tanztheater den Versuch, "Das Rheingold/Die Walküre" als ewiges Spiel um die Macht und den Tanz ums Goldene Kalb auf die meist düster-dunkle Bühne zu heben.
Die Rheintöchter sind blond und nackt. Alberich steckt in einer riesigen Uniformjacke und entmannt sich selbst mit einem gewaltigen Schwert, nachdem er die Rheintöchter umgarnt und ihnen den Ring entrissen hat. Die Burg Wallhall hat Helnwein mal mit brennenden Öfen, mal mit Lazarett-Betten bestückt, die Riesen Fafner und Fasolt sind besetzt wie "Dick und Doof".Bayernkönig Ludwig II. zerkaut anfangs - von Wagner besessen - dessen Notenblätter, lässt sich vom Meister den Gold-Schmuck von Füßen und Händen lutschen. Im Trio mit Wotan spielen sich die Machtbesessenen die Welt als riesigen Ball zu.
An der Schnittstelle von "Rheingold" und "Walküre" erscheint eine lange, schwarz-weiße Filmsequenz. Sie zeigt, wie sich Repräsentanten politischer und wirtschaftlicher Macht gestern wie heute mit der Nähe zu Wagner schmücken: Hitler, Adenauer, Strauß, Stoiber, Angela Merkel oder Ron Sommer machen dem Festspielhaus in Bayreuth ihre Aufwartung. Die Fortsetzung zu diesem ersten "Ring"-Teil folgt in der nächsten Spielzeit 2007/2008 mit "Siegfried" und "Götterdämmerung", die Kresnik ebenfalls in knapp zwei Stunden abarbeiten will.