Die Gestaltung der Ausstellung lehnt sich an eine Szene aus Bauers Libretto "Cafe Museum" an: Der MAK-Besucher wandelt zwischen echten Nadelbäumen und gewundenen Metallstricken von einer Wahlkoje ähnlichen Box zur nächsten.
"Jetzt wird es wahrscheinlich wieder große Bedenken der Bundesmuseen geben, dass wir jetzt auch noch die Literatur übernehmen", so Direktor Peter Noever vor Eröffnung der Ausstellung. Damit spielt er auf die aktuelle Debatte der Bundesmuseen bezüglich Aufgaben und Zugehörigkeiten an und verweist auf die vor 10 Jahren ausgegebene Intention: „Das MAK versteht sich als Laboratorium der künstlerischen Produktion und als Forschungsstätte der gesellschaftlichen Erkenntnis."
Kuratiert wurde "Wolfgang Bauer. Memory XS." von Theaterregisseur Karl Weluntschek, ehemaliger Leiter des Wiener Theater Rabenhof. Die Schau will er bereits zu Bauers Lebzeiten im Sinn gehabt haben. Denn immerhin ist er mit dem Autor eng verbunden: Nicht nur, dass Georg Staudacher im Jahr 2001 für seine Inszenierung von Bauers "Cafe Tamagotchi" an Weluntscheks Rabenhof den Nestroy Preis erhalten hat – Weluntschek selbst bezeichnet sich außerdem als Bauers "Freund und Saufkumpan".
Die Ausstellung ist nun der erste Streich der von Weluntschek ins Leben gerufenen "Wolfgang Bauer Foundation". Der Verein will sich der "Förderung der internationalen Verbreitung des künstlerischen Werks und des Andenkens an Wolfgang Bauer" widmen. Weitere Ziele sind: Errichtung einer Forschungsstätte, die internationaler Anlaufpunkt werden soll, Vermittlungsarbeit zwischen Literaturbetrieben, schrittweise Veröffentlichung aller Materialien im Internet, Pflege des Gesamtwerks, Nachlassverwaltung, Stipendien, Förderpreise, Gründung eines auf Bauer-Produktionen spezialisiertes Schauspielensemble sowie ein Festival zu Bauers 70. Geburtstag im Jahr 2011.
Wolfgang Bauer wurde am 18. März 1941 in Graz geboren. Der österreichische Schriftsteller (Prosa, Lyrik, Drama) schaffte mit seinem provokanten Frühwerk „Magic Afternoon“ 1968 den internationalen Durchbruch. Unter anderem erhielt er 1991 das Ehrenzeichen der Stadt Graz, 1991 die Ehrenmedaille der Stadt Wien, 1994 der große österreichische Staatspreis für Literatur. Bauer starb am 26. August 2005 in seiner Heimatstadt.
Artikel vom 18.09.2007, 16:19 | KURIER | frö
