„Wie viele Besucher braucht ein Museum?“ Anworten auf diese Frage suchten am Mittwochabend die Leiterin des Lentos, Stella Rollig, LH Josef Pühringer, Vizebürgermeister Erich Watzl (VP) und Stadtrat Klaus Luger (SP) bei der OÖN-Diskussionsreihe „StreitKultur“ in der Linzer Landesgalerie.
Für die Akzeptanz eines Museums könnten es nie genug Besucher sein, meinte Stadtrat Klaus Luger (SP). Diese habe oberste Priorität. „Der Zugang zur Kunst ist ein Wert des menschlichen Lebens“, ihn zu schaffen, sei die kultur- und bildungspolitische Aufgabe eines Museums: „Wenn man Menschen an zeitgenössische Kunst heranführen will, muss man sie auf ihrem Wissensstand abholen, mit leichter verständlichen Ausstellungen“, so Luger, was ihm den Vorwurf Rollings einbrachte, das Publikum zu unterschätzen.
Die Besucherquote sei „ein wichtiger Faktor“ unter weiteren für den Erfolg eines Museums, schwächte Landeshauptmann Josef Pühringer ab: „Der Bildungsauftrag muss erfüllt werden, aber nicht auf Kosten der Qualität.“ Ein „verstärktes Hinführen der Besucher an die Kunst“ sei jedoch „erlaubt, um höhere Quoten zu erzielen“.
Es gelte, sich Marketingstrategien zu überlegen, sowie eine „Akzentuierung im Programm“. Seine Lösungsansätze: eine bessere Vermittlungsarbeit sowie eine verstärkte Zusammenarbeit im Marketing zwischen Stadt und Land.
Für eine „interne kritische Diskussion mit konstruktiver Kritik“, jedoch „ohne schädigende Aussagen in der Öffentlichkeit“, sprach sich auch Vizebürgermeisterund Kulturreferent Erich Watzl (VP) aus. Wesentlich für die Zukunft sei zudem „eine Bewerbung über die Grenzen Oberösterreichs hinaus: „Wir müssen die Märkte in Wien und Richtung München gemeinsam ansprechen.“Etwas allein auf weiter Flur fand sich Rollig wieder, mit Grundsatzfragen abseits von marketingstrategischen Überlegungen: „Lässt man einem Museum die Möglichkeit, ein Programm für Minderheiten zu machen? Hat eine Minderheit das Recht auf dieses Programm?“, sprach sich die Leiterin des Lentos für „Vielfalt statt Quantität und Quoten“ aus und gegen falsche Vergleiche: „Wir sind nicht die Albertina in Wien und wollen es auch nicht sein.“
In einem einjährigen, produktiven Strategieentwicklungsprozess, geleitet vom Kulturreferenten, habe man sich gemeinsam auf das Programm geeinigt. Die Lösung: „Kommen!“ Was man tun solle, um die Besucherzahlen zu erhöhen? „Kommen!“, appellierte Rollig beinahe flehentlich an das Publikum.
Lässt man die Zahlen sprechen, so zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass die Lage nicht so dramatisch ist wie ihre Darstellung. Abgesehen vom Eröffnungsjahr 2003, in dem des Lentos mit knapp 100.000 Besuchern den bislang größten Zustrom verzeichnete, und dem Jahr 2006, in dem die Helnwein- Ausstellung knapp 75.000 Kulturinteressierte anlockte, ist die bis Jahresende prognostizierte Besucherzahl von 55.000 kaum merklich niedriger als jene von 57.000 vor zwei Jahren.
Um mehr Besucher anzulocken, soll es künftig regelmäßig breitenwirksame Ausstellungen geben, sowie die dafür erforderlichen finanziellen Mittel, sind sich Watzl und Luger einig. „Wir müssen Ressourcen bringen, damit ein jährliches Highlight präsentiert werden kann“, so Watzl, wie z.B. für die 2008 geplante Kokoschka-Ausstellung, für die ein Budget von 400.000 Euro vorgesehen sei.Beim Publikum stieß das Gespräch auf reges Interesse, wie auch die abschließende offene Diskussion zeigte. Von den Zuhörern kamen zudem einige beachtenswerte Lösungsansätze.
OÖnachrichten vom 23.11.2007