
Noch im selben Jahr nahm er Kontakt auf mit den Autoren Wystan H. Auden und Chester Kallman, die ihm Hogarths Bildgeschichte zum Libretto formten - und mit einigen "faustischen" Zutaten garnierten: Sie erfanden zusätzlich eine Teufelsfigur, den dubiosen Nick Shadow, der mit dem nimmersatten Wüstling einen Pakt auf Leben und Tod schließt, und rückten das Werk somit in die Nähe des Mysterienspiels. Im Dezember 1947 - das Libretto war noch nicht abgeschlossen - begann Strawinsky mit der Komposition, und im Frühjahr 1951 war die Partitur vollendet.
Zurück zu den Wurzeln. Bei der Neuproduktion der Strawinsky-Oper an der Staatsoper, die am 10. Juni Premiere feiert, wird abermals das Bild im Zentrum stehen. Denn Jürgen Flimms Inszenierung wird ausgestattet von Gottfried Helnwein, dem streitbaren österreichischen Maler, Filmemacher, Fotograf und Aktionskünstler, der die vertonten Gemälde rückübersetzt in neue, freie Bildwelten, assoziativ und provozierend zugleich. Eine zitatenhafte Videocollage hat er vorgesehen, die auf die leere Bühne projiziert wird, grelle, stimmungsvolle Impressionen, die nichts mit Naturalismus gemein haben, sondern Zeichenhaftigkeit anstreben und damit die Parabel betonen.Mit Hamburg verbinden Helnwein übrigens einschneidende Erfahrungen: Das Plakat, das er 1988 für Peter Zadeks "Lulu"-Produktion am Schauspielhaus entworfen hatte, löste wegen seines angeblich pornografischen Gehalts Stürme der Entrüstung aus. Und Hans Kresniks "Pasolini"-Stück, das er ebendort ausstattete, sorgte für kaum weniger Aufsehen.
Zwei Monate, nachdem "The Rake's Progress" am 11. September 1951 in Venedig aus der Taufe gehoben wurde, kam es schon zur hamburgischen Erstaufführung - Günther Rennert inszenierte. Zwei weitere Produktionen folgten 1962 und 1967, doch danach war bald 35 Jahre lang Sendepause. Wenn GMD Ingo Metzmacher im Juni also den Taktstock schwingt, schließt er eine echte Lücke.
Das Publikum darf sich auf ein heiteres Rätselraten freuen, denn Strawinsky hat seine Partitur gespickt mit Zitaten aus der Musikgeschichte, von Händel bis zum Jazz. Der Vorwurf, er habe ein eklektisches Pasticcio geschaffen, blieb dem Komponisten denn auch nicht erspart. Aber bei allem Anleihen und resümierenden Rückgriffen auf die abendländische Operntradition bleibt das Werk stets ureigenster Strawinsky: originell, witzig, kurzweilig, unverwechselbar.* Premiere: 10. Juni, 18 UhrAufführungen: 13., 16., 20., 22. und 24. Juni, jeweils 19.30 Uhr; Hamburgische Staatsoper, Großes Haus.Karten: Opernkasse, Tel. 35 68 68© 29.5.2001