Am 24. Jänner wird Teamchef Josef Hickersberger seinen Kader für das erste Länderspiel im brennend heißen Fußballjahr 2008 bekannt geben. Der Gegner ist in emotionaler Hinsicht der wohl attraktivste, auf den die ÖFB-Boys überhaupt treffen können: Deutschland. Auch wenn dieser Showdown "nur" einen Test für den EM-Ernstfall am 16. Juni darstellt - Spiele gegen den großen Bruder gehen atmosphärisch immer weit über den Normalfall hinaus.
Noch dazu jährt sich fünf Tage nach dem letzten Gruppenspiel der Euro 2008 ein absoluter Feiertag des rotweißroten Kicks zum dreißigsten Mal: Cordoba. Während den Deutschen die „Schmach von Cordoba“ bei der WM 1978 in Argentinien noch immer schwer im Magen liegt, wurde die große Stunde der rotweißroten Helden bei uns mit diebischer Freude als triumphaler Akt der Selbstbefreiung glorifiziert. Die kabarettreife Radioreportage des 3:2-Triumphs von Edi Finger, die Traumtore unseres Hansiburlis und das patscherte Eigentor von Weltmeister Berti Vogts gehören heute unbestritten zum österreichischen Kulturgut.
Das Sportmagazin widmet dem ewig jungen Duell mit dem Lieblingsnachbarn eine "Legend´s Issue", die am 24. Jänner am Kiosk erhältlich und voll und ganz diesem ewig jungen Thema gewidmet ist. Nicht nur im Fußball gabs bekanntlich hitzige Zweikämpfe - auch bei den bilateralen Gipfeltreffen im Tennis, im Skisport, im Rodeln oder in der Formel I blieb kein Auge trocken.
Alles Cordoba - von Krankl, Vogts, den Sportfreunden Stiller, Muster bis zu den Kultkabarettisten Stermann/GrissemannDas Sportmagazin hat den Mythos Cordoba genauestens untersucht, analysiert und aufgearbeitet und dabei mit den damaligen Helden genauso gesprochen wie mit hochkarätigen Vertretern aus Kultur und Showbiz.Deutschlands Kritikerpapst Günter Netzer raubt uns extradry schon im Vorfeld der ambivalenten Matches im Februar und Juni alle Illusionen: „Ich freue mich über Menschen, die sich ihre Träume erhalten. Ich mach das auch gern, bis ich an die Grenzen der Realität stoße.“ Weltmeister Paul Breitner sieht in Cordoba sogar das Grundübel unseres Kicks: „Ihr seid so schlecht, weil ihr dieses einmalige Ereignis bis zum Erbrechen glorifiziert.“ Ein Ansage, die „Mr. Cordoba“ Hans Krankl so nicht stehen lässt: „Der Breitner hat doch einen Schatten. Warum sollten wir uns über Cordoba nicht ewig freuen?“
Malerfürst Gottfried Helnwein, der 1981 ein legendäres Bild von Hans Krankl schuf, bringt das Verhältnis Österreich-Deutschland auf den Punkt: "Ich hab mich immer gewundert, dass die Österreicher in Deutschland so gut angeschrieben sind, denn umgekehrt ist das überhaupt nicht der Fall. Die Österreicher mögen die Deutschen eigentlich nicht. Die kommen als Touristen zu uns, freuen sich über die lustigen Einheimischen, hauen ihr Geld beim Fenster hinaus und merken nicht, dass die Österreicher sie verachten. Cordoba war daher ein Triumph ohnegleichen. Krankl war der Erlöser, der Retter, ein Prinz Eugen, der den deutschen Riesen getötet hat."
Auch Kult-Kabarettist Dirk Stermann, seit 20 Jahren im Lande, ist in Österreich nie wirklich heimisch geworden: „Weil es die Österreicher nicht zulassen.“ Das Thema Cordoba wird uns in den nächsten fünf Monaten jedenfalls permanent beschäftigen. Und vielleicht sind vor dem Showdown am 16. Juni ja eh sowohl Deutschland, als auch Österreich fürs Viertelfinale qualifiziert. Dann können wir gemeinsam narrisch werden.