September 27th, 2008
Schwäbische Zeitung
Vier Semester hinterlassen Bilderwelten
Gezeigtes überzeugt
Da schockt Maskiertes mit SM-Spielzeug und mutet beinahe wie ein Gottfried Helnwein an, da steht klassische und formale Bildgestaltung neben der Verwandlung unserer Stadt in eine industrielle Vorstadtszenerie, die genauso im Ruhrgebiet hätte fotografiert werden können.

FRIEDRICHSHAFEN - Im Competence Park Friedrichshafen ist derzeit noch bis Anfang Oktober eine Ausstellung mit Fotografien zu sehen, die in vier Semestern Seminararbeit zum Thema Fotografie an der Zeppelin University entstanden sind. Was hier gezeigt wird, darf sich mit Fug und Recht Kunstausstellung nennen.

Studierende der ZU machen in Fotografie. Kunst wird am Seemooser Horn und im Fallenbrunnen nun gerade nicht zum Abschluss geführt, Kreativität, künstlerische Praxis in vielfältiger Form abweichend von den staubigen Atelierstudien und vor allem die Schule des Sehens wird hier jedoch in irgendwelchen Seminaren vermittelt. Und das nicht nur von Profis vermittelt, sondern auch nachhaltig und bei den Studenten ankommend. Anders ließe sich bei aller Liebe nicht erklären, wie die Studierenden zu den Ergebnissen gekommen sind, die sie jetzt in der Ausstellung "Macht das Leben schöner?" im Competence Park Friedrichshafen zeigen.

Fahren Sie hin, schauen Sie sich die Bilder an. Die Vielfalt ist groß, die Umsetzung des Themas, Ausstellung und Bildpräsentation nicht minder. Sie reicht vom klassischen an die Wand hängen über Puzzle-Aufforderung, Buchform bis hin zu einer performativen Videopräsentation oder einer Pillendose, in der die Fotos verabreicht werden. Es ist nicht möglich, unabhängig und objektiv über diese Ausstellung zu sprechen, sie ist einfach zu facettenreich, was die bildnerische Umsetzung der Themen angeht.

Gezeigtes überzeugt

Da schockt Maskiertes mit SM-Spielzeug und mutet beinahe wie ein Gottfried Helnwein an, da steht klassische und formale Bildgestaltung neben der Verwandlung unserer Stadt in eine industrielle Vorstadtszenerie, die genauso im Ruhrgebiet hätte fotografiert werden können. Welke Blüten symbolisieren und spiegeln alternde Menschen wider, Detailbetrachtungen leben von ihrer Farbigkeit und Grenzbereiche pornografischer Fotoszenerie werden mit der Lust des Zuschauens und des Zurschaustellens berührt, die bisweilen sogar die FSK18-Frage stellen ließe. Dabei verliert keine der Arbeiten an Substanz. Ohne Tabu und Scheu nutzen die Studenten das Mittel der Fotografie, um ihre eigenen Geschichten zu erzählen. Sei es in einer Serie von Selbstporträts oder durch die detaillierte Suche nach Form und Struktur in Makroaufnahmen. Es gibt hier Fotokunst zu sehen, die man sich nicht entgehen lassen sollte.