"Der Künstler Helnwein ist für mich etwas Besonderes, weil er mich in den 70-er Jahren, als ich selbst, vor allem in der Schule von Lehrern unterdrückt wurde, immer wieder aufgerüttelt hat und mich zur Rebellion angestachelt hat"
Arnold Hirschl
BRAUNAU, BURGHAUSEN/ Dass nun Hirschls Sammlung in Nähe seiner Heimatstadt zu sehen ist, hat sich durch einen befreundeten Fotografen ergeben. "Anton Mack aus Burghausen hat die Helnwein-Ausstellung im Lentos besucht und ist an mich herangetreten und hat gemeint: So eine Ausstellung hätten wir auch gerne einmal. So ist das entstanden", erzählt Arnold Hirschl. Burghausen ist für den Kunstsammler keine fremde Stadt. Schon in den 80er Jahren pendelte er über die Grenze und war über zehn Jahre als Software Entwickler im Chemiekonzern Wacker tätig. "Und nun kehre ich als Leihgeber wieder in die Stadt zurück", so Hirschl.
Kunst hatte in seinem Leben schon immer einen großen Stellenwert. Bereits seit dem achten Lebensjahr hat sich der jetzige Immobilienmakler mit dem "Kunstvirus" infiziert. "Damals bekam ich von meinem Onkel Werner Koblinger, einem Bildhauer, Holzschnittarbeiten geschenkt. Durch den frühen Kontakt mit Arbeiten von Gottfried Helnwein haben mich vor allem die fotorealistischen Arbeiten von geschundenen, gequälten Kindern fasziniert". Werke, die sich mit Unterdrückung auseinandersetzen, haben es dem Kunstsammler Hirschl angetan.
"Unterdrückung ist keine Lösung, keine Erziehungsmaßnahme und hat auch keinen Platz in der Arbeit. Die g´sunde Watschn muss aus den Kinderzimmern verschwinden. Der Künstler Helnwein ist für mich etwas Besonderes, weil er mich in den 70-er Jahren, als ich selbst, vor allem in der Schule von Lehrern unterdrückt wurde, immer wieder aufgerüttelt hat und mich zur Rebellion angestachelt hat", erzählt Hirschl. In der Kunst sieht der Sammler in erster Linie einen Bildungsauftrag. Sie soll beim Betrachter Emotionen wecken und Fragen aufwerfen, die man sonst nicht so leicht stellen würde. "Keiner geht bei einem Helnwein-Bild vorbei und sagt: ,Oh welch schöne Farben´. Man wird schon massiv gefordert und muss sich fragen, ob zum Beispiel ein gequältes Kind schön ist oder nicht". Seine Heimatstadt besucht der Wahl-Linzer oft und ist jedes Mal aufs Neue verblüfft, wieviele Leute ihn noch kennen.

Ausstellung mit Werken von Helnwein, Nitsch, Kubin, Deutschbauer&Spring, Moises, Hauenschild&Ritter und Anzinger bis Sonntag, 26. Oktober, im Liebenweinturm. Geöffnet jeweils mittwochs, 18 bis 20; freitags, 16 bis 18; samstags 14 bis 18 und sonntags von 10 bis 12 und 14 bis 18 Uhr.
