
Der eurozentrisch denkende Mensch sollte erst einmal die Augen schließen. Die 8. Ausgabe der "Art Singapore - The Contemporary Asian Art Fair", mittlerweile wohl die größte Messe für zeitgenössische Kunst im südostasiatischen Raum, bietet dem Besucher aus der westlichen Welt wenig Gewohntes und auch nicht genau das, was heute unter den asiatischen Positionen als Bluechip gehandelt wird. 110 Aussteller aus 19 Nationen zog es in das SunTec-Kongresszentrum inmitten des Hotel- und Shoppingviertels der Stadt. Singapur hatte sich für die 8. Ausgabe der Messe gerüstet: Neben zahlreichen Events und Ausstellungen feierte außerdem die Biennale für zeitgenössische Kunst ihre zweite Ausgabe an verschiedenen Orten der Stadt.
Die "Art Singapore" ist im Vergleich zu vielen europäischen Messen jung. Sie wurde im Jahr 2000 "mit nur 19 Ausstellern gegründet", wie sich die jetzige Messeleiterin Chen Shen Po erinnert. Chen Shen Po stieß 2002 als Beraterin zum Messeteam, 2005 übernahm sie die Leitung. Die Ausgaben der "Art Singapore" waren nicht kontinuierlich, denn in 2003 musste die Messe wegen SARS abgesagt werden. Chen Shen Po kann heute auf jeden Fall positiv bilanzieren: Neben dem starken Ausstellerzuwachs erwartete sie runde 15 000 Besucher aus dem asiatischem Raum und dazu internationale Medienvertreter. Trotzdem stand die Messe dieses Mal unter keinem guten Stern. Just am Eröffnungstag erreichte auch Singapur der weltweite "Credit-Crunch". Viele geladene Banker, gute Sammler, saßen in Krisensitzungen, wie Aussteller berichteten, anstatt die Messe zu besuchen.
Von den guten lokalen Galerien waren die 24 besten dabei. Die derzeit gefragte, im Gegensatz zur chinesischen noch bezahlbare koreanische Kunst brachten gleich 23 Galerien aus dem Ursprungsland mit, soviel wie auf keiner anderen Ausgabe der "Art Singapore" zuvor. Aus Japan kamen dreizehn Aussteller, aus China zehn, aus Indien acht. Deutsche Galerien zeigen sich bislang nicht in Singapur, lediglich einige aus den USA, aus Frankreich und Spanien. Sie stellten zusammen aber nur sechs Teilnehmer.
Der lokale Sammler aus Singapur liebt es bunt, gegenständlich und figürlich in Malerei und Skulptur, ja, insgesamt lebensfroh mit einem kleinen Einschlag zum Naiven. Neben Exotischem gab es auch auf der "Art Singapore" sehr Vertrautes, etwa bei der Galerie Collectors Contemporary, die vor rund einem Jahr von Gary Sng in Singapur gegründet wurde. Siebdrucke von Andy Warhol aus den 1980er Jahren füllten die Wände (auf Leinwand bis zu 2,3 Mio. Dollar), späte Arbeiten von Roy Lichtenstein und solche aus der Zeit nach 2000 von Gottfried Helnwein. Sng war lange Zeit Sammler, nun hat er sich zum Händler-Dasein entschlossen und gibt Teile seiner Sammlung für den Markt frei.
Zu den Global-Playern auf der "Art Singapore" gehörte die 2001 gegründete Galerie Art Seasons (Singapur, Peking, Jakarta, Seoul und Pfaeffikon in der Schweiz), die generell ihren Schwerpunkt auf chinesische Kunst legt, hier auch koreanische bot, darunter die extrem realistischen Skulpturen von Choi Xoo Ang. Der Künstler hatte im vergangenen Jahr auf dem Art Forum in Berlin bei Alexander Ochs auf sich aufmerksam gemacht, war seine Arbeit doch schon vor der Vernissage gut verkauft. In Singapur ging es bei gleichem Preisniveau auch auf das Gleiche hinaus, denn vier Skulpturen von Choi Xoo Ang wurden auf der Eröffnung vergeben (je 5er, Preise 20-25 000 Euro).
Die "Art Singapore" lockt mit "Neuland", auf dem zum Beispiel die Galerie Arushi Arts aus New Dehli angesiedelt ist. Arushi Arts ist bereits seit 12 Jahren unter der Leitung von Payal Kapoor aktiv und konnte in Singapur Arbeiten von Venkat Bothsa und Roy Thomas an chinesische Kunden vermitteln, die, so Kapoor, "zur Zeit ein Faible für Indisches haben" (20 000 und 16 000 Dollar). Aus Indonesien gab es bei Langgeng Gallery Pop-Art, diesmal aber hausgemacht von Tera Brajaghosa, Uji Handoko, Wedhar Riyadi, Nano Warsono. Grundlage für die Bildschöpfungen der indonesischen Künstler sind amerikanische Comics, auch Märchen und Mythen des eigenen Landes, bei umgerechnet zivilen Preisen um die 7000 Euro. Exotisches von überzeugender Qualität gab es außerdem bei der Silverlens Gallery von den Philippinen, Spirituelles bei der Thavibu Gallery aus Thailand. Mit schärferem Profil könnte die Messe ein Gegengewicht zur "Shanghai Contemporary" werden.