April 1st, 1985
Graphische Sammlung Albertina, Vienna
retrospective in the Albertina, Vienna
Walter Koschatzky
Director of the Albertina, Vienna
works from 1970 - 1985
Seit Gottfried Helnwein das erstemal in der Albertina ausgestellt hatte, ist ein Jahrzehnt vergangen. Er hat sich seit damals längst international durchgesetzt, hat Staunen und Erschrecken, Bewunderung und Ablehnung erfahren, was alles eine deutliche Sprache spricht: was er zu sagen hat, ist mitten in die Zeit hineingesagt und ganz direkt dem Menschen dieser Zeit ins Gesicht. ...
1985
Helnwein Katalog, Albertina museum, Wien — Neben Skizzen von Ballet tanzenden Hasen und gestiefelten Katzen, strangulierten und gestopften Enten finden sich Studien oder eher Wunschzeichnungen zu malträtierten Kinderköpfen, deren Münder durch Spangen und rosige Narben grauenhaft entstellt sind, aber gleichzeitig durch ihre höhnischen, Fratzen schneidenden Grimassen Ungehorsam, Widerstand, Aufruhr, so etwas wie kindliche Autonomie in der depravierten Erwachsenenwelt signalisieren. Das Feixen des malträtierten Kindes, ein groteskes Vexierbild, in das Märtyrertum und Subversion der Menschenkreatur gleichermaßen eingeflossen sind, ist ganz allein Helnweins Erfindung. Sie offenbart sich in den vielen Metamorphosen des Phantasmas vom versehrten Körper als obsessives Grundmuster seiner Bildwelt und aktionistischen Darstellungen, als Metapher einer im Innersten des Menschen vorhandenen Unverletzlichkeit und Unbesiegbarkeit.