February 12th, 2009
News Magazin
Gottfried Helnwein - Ode an Manfred Deix
Gottfried Helnwein
Wenn Michelangelo sagt, die größte Kunst sei „nichts als ein Schatten der göttlichen Perfektion“, dann tritt Deix mit seiner Kunst den unerbittlichen Gegenbeweis an: Er zeigt uns, daß das Werk des Schöpfers nur so strotzt von Fehlern, Peinlichkeiten und Schnitzern. Gott sei Dank, muß man sagen, denn bei einem perfekten Gott hätten wir wenig zu lachen, und es war Deix, der uns zu der bedeutenden philosophischen Erkenntnis verholfen hat, daß die Schöpfung lächerlich und Gott der größte Humorist ist.

Aber Manfred war stets auch ein Suchender, ein Fragender, ein von unbändigem Forscherdrang erfüllter, nie rastender Geist, der den Dingen auf den Grund zu gehen trachtete. Und so war er schon in früher Jugend nach Wien gekommen, um all die Wunder und Geheimnisse dieser pulsierenden Metropole in sich aufzusaugen und vor allem das mit seinen eigenen Augen zu sehen, wonach seine kindliche Seele so lange gedürstet hatte: 'Huren, Juden und Warme'.

Er war ein Malstrom, der mich mit elementarer Gewalt aus meinem Ministrantendasein riss und in eine Welt der Abenteuer stiess, der Leidenschaften, des Rausches und der Sünde.Mit ihm rannte ich viele Tage und Nächte ohne zu essen und zu ruhen mit blutenden Füssen von Venedig nach Wien, ich war Zeuge, als er Samson gleich, eine Wohnungstüre samt Türstock einriss, um Marietta, seine Geliebte aus den Armen eines liebestrunkenen schweizer Architekten zu befreien und ich sah ihn weinend vor den Beach Boys knien.

In der behaarten Brust dieses berserkerhaften Mannes schlägt nämlich ein grosses Herz, das neben den Californischen Musikern und den Frauen, jedoch vor allem den Tieren gehört.

Gottfried Helnwein

Auszug aus "Ode an Manfred Deix" von Gottfried Helnwein
Manfred Deix und Helnwein
Joseph Bramer, Gottfried Helnwein, Manfred Deix, Fritz Hechelmann, in der Akademie der Bildenden Künste, Wien
Helnwein und Manfred Deix
Manfred Deix, Joseph Bramer, Fritz Hechelmann, Gottfried Helnwein