February 12th, 2009
Salzburger Nachrichten
„Ich nehme das Geld trotzdem“
Gerhard Öhlinger
„Spiegel Online“-Cartoonist Jamiri feiert 15 Jahre Überleben auf dem Comicmarkt mit einem Best-of-Album
SN: Wer hat Sie zeichnerisch beeinflusst? Gab es Künstler, denen Sie nacheiferten? Richter: Richard Corben, Gottfried Helnwein, HR Giger. In einer bestimmten frühen Entwicklungsphase ist das Nacheifern, das Epigonale, erlaubt und wichtig. Das haben wir alle gemacht. So beginnt es eigentlich immer. Man muss die Vorbilder nur irgendwann abstreifen, aus dem eigenen Werk tilgen. Aber ich glaube, dass man auch in meinem Alter (42), wenn schon eine individuelle formale Ausprägung sichtbar geworden ist, (wie Neo Rauch sagt) eigentlich künstlerisch immer noch ein Halbstarker ist.

Seine Cartoons drehen sich vor allem um ihn selbst. Mit Lebensmensch Beate, philosophierenden Zechkumpanen sowie Computern und Handys als Ko-Stars. „Spiegel Online“-Zeichner Jan-Michael Richter alias Jamiri fand es nach 15 Jahren Comicschaffen an der Zeit, ein Best-of-Album auf den Markt zu bringen. Im SN-Interview spricht er über Vorbilder, die Relativität angemessener Bezahlung und Publikumskontakt.

SN: Sie sind auf dem Cover Ihres Best-of-Bandes in Opa-Oma-Pose mit Beate zu sehen. Das sieht ja fast nach Rückzug und einer gewissen Selbstzufriedenheit aus.

Richter: Das Cover soll an die Tradition alter Industriellen-Familienfotos gemahnen. Der Patriarch mit seinem Gespons. Man lässt sich im großen Staat ablichten, für die Nachwelt und für über dem Kamin. In Wirklichkeit trage ich nur Schlabber-Casual. Als Künstler hat man da ja Carte blanche. Das wollte ich zum Spaß einmal brechen.

SN: Wer hat Sie zeichnerisch beeinflusst? Gab es Künstler, Zeichner, Karikaturisten, denen Sie nacheiferten?

Richter: Richard Corben, Gottfried Helnwein, HR Giger. In einer bestimmten frühen Entwicklungsphase ist das Nacheifern, das Epigonale, erlaubt und wichtig. Das haben wir alle gemacht. So beginnt es eigentlich immer. Man muss die Vorbilder nur irgendwann abstreifen, aus dem eigenen Werk tilgen. Aber ich glaube, dass man auch in meinem Alter (42), wenn schon eine individuelle formale Ausprägung sichtbar geworden ist, (wie Neo Rauch sagt) eigentlich künstlerisch immer noch ein Halbstarker ist.