
Heute hat Sir David Frost noch einiges vor. Für seine wöchentliche Fernsehsendung steht ein Interview mit Robert de Niro an, mit UN-Generalsekretär Ban Ki-moon will Frost auch noch sprechen. Doch dann muss er packen: Am Samstag wird der weltberühmte britische Journalist in Bochum erwartet. In der Jahrhunderthalle wird ihm der Steiger Award verliehen.
Das Showprogramm gestaltet u.a. das Ensemble des Musicals Starlight Express sowie die sizilianische Künstlerin Etta Scollo, die in ihrer Heimat längst Superstar-Status genießt. Außerdem gibt es eine sportliche Überraschung für Klaus Steilmann. Durch das Programm führt ZDF-Moderator Cherno Jobatey.
Sie werden alle kommen, die Preisträger 2009. Veronica Ferres, Dieter Hallervorden, Sir Bob Geldof, Ex-Staatspräsident Aleksander Kwasinewski, Ex-Premier Romano Prodi, Alt-Bundespräsident Roman Herzog, die Großherzogin Maria Teresa von Luxemburg, Modemacher Klaus Steilmann, und Oscar-Preisträger Maximilian Schell kommen nach Bochum. Maler Gottfried Helnwein reist als erster an. Sein Flieger aus Los Angeles landet schon am Freitag.
Für Sascha Hellen, der die große Gala nun zum fünften Mal organisiert, kommt jetzt die Feinarbeit. Die Tischordnung etwa: Wer sitzt wo – und wo doch besser nicht. „Einmal hatten wir eine sehr unglückliche Paarung am Tisch”, plaudert er aus dem Nähkästchen. Das soll nicht wieder vorkommen. Und so muss er puzzeln: Die Ferres ist mit dem Christian Wulff befreundet, andererseits der Wulff aber auch mit dem Westerwelle und der mit der Christiansen. Friedrich Nowottny, das weiß Hellen, findet David Frost toll. „Dann kommen die an einen Tisch – dann haben die alten Medienhasen sich was zu erzählen.”
Dazu sollen sie alle mehr Zeit haben als in den Jahren zuvor: Statt Menü gibt es diesmal ein Gala-Büffett. „Das soll auch ein Kommunikationsfaktor sein”, erklärt Hellen. Und die Gäste hätten so die Chance, mit Preisträgern und Promis ins Gespräch zu kommen.Wann es aber was auf die Gabel gibt, dann ist mal wieder nicht sicher. Nur das: Um 18.30 Uhr geht es erst mal mit den Reden los. „Wir bemühen uns sehr, die Zeiten einzuhalten.” Hellen weiß um die Kritik am Zeitmanagement der letzten Jahre. Und die Laudatoren wissen, wie lange sie reden dürfen. Ob sie sich daran halten „hängt aber von ihrem guten Willen ab”. Überfällige Redner mit Musik abwürgen – so wie bei anderen Preisverleihungen üblich? Für Hellen ein Unding: „Wenn einer wirklich etwas zu sagen hat, wenn man etwa Hans Küng bei einem seiner wenigen öffentlichen Auftritte erlebt, das ist das einfach nicht die feine englische Art.”
Zumal auch seine Garde von Laudatoren sich durchaus sehen lassen kann: Neben Christiansen, Wulff und Westerwelle stehen auch Heidemarie Wieczorek-Zeul, Wolfgang Gerhardt, Norbert Lammert und Antje Vollmer auf der Rednerliste – viel Politik für einen bunten Abend. „Keine Absicht”, versichert der Organisator. Und für ihn selbst auch eine Überraschung: Dass die Ferres sich den Gerhardt als Laudator wünscht, und Helnwein die Frau Vollmer, damit hätte er nun auch nicht gerechnet.
Was ihn freut: Es ist deutlich leichter geworden, Redner zu gewinnen. Der Preis habe sich etabliert, in den Medien, in den Parteien. Auch die bunten Blätter schickten keine freien Mitarbeiter mehr sondern ihre Chefredakteure. Auch die Preisträger zeigen ihren Revier-Award her: „Neulich habe ich ein TV-Interview mit Hamid Karsai gesehen, unter hinter ihm, auf einem Sockel im Präsidenten-Palast, stand der Steiger”, erzählt Hellen nicht ohne Stolz. Bei Olmerts in Israel übrigens, stehe die Kugel im Wohnzimmer. . .Hellen könnte noch mehr erzählen. Doch ihm bleibt keine Zeit: Sir David fragt gerade an, wo er denn wohl am Sonntag nach der Gala mit Lady Carina essen gehen kann. Hellen schmunzelt: „Ich such ihm was raus – aber natürlich ein Restaurant mit dem Charme des Reviers.”





