March 29th, 2009
der Westen
Steiger-Award - für Prominente mit Stehvermögen
Jonas Knoop
Mit dem Steiger-Award sollen Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland geehrt werden, die sich durch die Tugenden des Steigers auszeichnen. Die Jury zählt dazu Geradlinigkeit, Offenheit, Menschlichkeit und Toleranz. Als der weltbekannte Musik-Produzent Sir Bob Geldof seinen Award in der Kategorie Musik entgegennahm, sagte er: „Ich will es kurz halten, weil ich Hunger habe. Das dauert mir hier alles schon viel zu lange.” Es war es nicht der einzige Moent, in dem die rund 200 geladenen Gäste das Gefühl bekommen konnten, dass die Preisträger es eigentlich eiliger hatten, als das Protokoll zuließ. Der österreichische Künstler Gottfried Helnwein etwa bekannte, er sei „mal eben aus Los Angeles” vorbeigekommen: „Und bin wieder viel zu spät.” Er habe den Preis allerdings auch „zu seiner Verblüffung” bekommen.
Gottfried Helnwein

Bochum. Lange Lobreden, noch längere Dankesreden. Mit starken Worten wurde am Samstag bei der Preisverleihung der Steiger-Awards nicht gespart. Eine fast vierstündige Inszenierung, die einem der Preisträger, Sir Bob Geldof, „viel zu lange” dauerte.Mit dem Steiger-Award sollen Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland geehrt werden, die sich durch die Tugenden des Steigers auszeichnen. Die Jury zählt dazu Geradlinigkeit, Offenheit, Menschlichkeit und Toleranz. Als der weltbekannte Musik-Produzent Sir Bob Geldof seinen Award in der Kategorie Musik entgegennahm, sagte er: „Ich will es kurz halten, weil ich Hunger habe. Das dauert mir hier alles schon viel zu lange.”»Ich wusste, an der Sache ist ein Haken«

Es war es nicht der einzige Moment, in dem die rund 200 geladenen Gäste das Gefühl bekommen konnten, dass die Preisträger es eigentlich eiliger hatten, als das Protokoll zuließ. Der österreichische Künstler Gottfried Helnwein etwa bekannte, er sei „mal eben aus Los Angeles” vorbeigekommen: „Und bin wieder viel zu spät.” Er habe den Preis allerdings auch „zu seiner Verblüffung” bekommen.

So wie dem gebürtigen Wiener ging es auch anderen Preisträgern an diesem Abend. Vielleicht, weil manche vor einem halben Jahr noch gar nicht wussten, dass es den Steiger-Award überhaupt gibt. Passend dazu die nicht ganz ernst gemeinte Dankesrede vom Kabarettisten Dieter Hallervorden, ausgezeichnet in der Kategorie Unterhaltung: „Im Juli bekam ich einen Anruf. Da fragte mich jemand: ‚Willst du den Steiger-Award haben? Du musst ihn allerdings am 28. März in Bochum abholen.'” - „Ich wusste da ist ein Haken”, habe er geantwortet.

Politiker loben Politiker

Gekommen ist Hallervorden schließlich doch, so wie viele führende Politiker, die es sich nicht nehmen ließen, Präsenz zu zeigen. So überreichte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff der Schauspielerin Veronica Ferres einen Steiger-Award in der Kategorie Film. FDP-Vorsitzender Dr. Guido Westerwelle hielt die Lobrede für den ehemaligen polnischen Staatspräsident Aleksander Kwasniewski und den früheren EU-Kommissions-Präsidenten und italienischen Ministerpräsidenten Romano Prodi, die den Preis für ihren Einsatz für ein gemeinsames Europa erhielten.

Beeindruckend der Auftritt von Dr. Klaus Steilmann. Der 79-jährige Wattenscheider Unternehmer bekam den Steiger-Award für seine Verdienste für den Bochumer Sport überreicht. „Er hat es geschafft, immer wieder sportbegeisterte Menschen in seine Unternehmen mit einzubinden. Ich bin stolz ihm diesen Preis vor diesem Publikum überreichen zu dürfen”, sagte Sportmoderator Werner Hansch in seiner Lobrede. Steilmann bedankte sich sichtlich gerührt und betonte, dass die Unterstützung von Bochumer Sportlern nicht aufhören dürfe, um weiterhin Weltklasse-Athleten ausbilden zu können.

Preis für Toleranz

Gut gewählt auch der Preisträger in der Kategorie Toleranz. Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog machte deutlich, wie wichtig und nötig eben jene ist, da die Welt immer weiter zusammenrücke. „Wenn sie einen Charakter wie ich haben, merken sie jedoch, wie anstrengend es ist, tolerant zu sein. Daher bin ich sehr froh endlich wieder einen Preis für Toleranz bekommen zu haben”, sagte Herzog als er den Award entgegennahm.

Für internationales Flair sorgten die Großherzogin Maria Teresa von Luxemburg und der englische Moderator Sir David Frost. Sie bekamen die Glaskugel in den Kategorien Charity und Medien überreicht. Am Ende der Veranstaltung durften die Gäste dann auch noch stehend applaudieren, so wie es sich für eine wichtige Preisverleihung gehört. Der Applaus galt Maximilian Schell, der einen Preis für sein Lebenswerk erhielt.In der Krise an die Ärmsten denkenWährend Schell eine Definition eines Steigers vorlas, die er sich extra von seiner Sekretärin aus dem Internet hatte ausdrucken lassen, muss Sir Bob Geldof nach fast vierstündigem Programm mächtig der Magen geknurrt haben. Nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht. Knapp zwei Stunden zuvor wurde der irische Musiker, der mit seiner Stiftung „One” die Armut in Afrika bekämpft, in seiner Dankesrede doch noch ernst. Er appellierte an die Deutschen auch noch in der Krise an die Ärmsten der Armen zu denken. Die Deutschen sollten sich an die Tugenden des Steigers halten und hart arbeiten. Dann werde alles besser.

Sir Bob Geldof
Maximilian Schell, Roman Herzog, Dieter Hallervorden, Sabine Christiansen, Sir David Frost, Romano Prodi, Gottfried Helnwein, Großherzogin Maria Teresa von Luxemburg, Aleksander Kwasinewski, Veronica Ferres, Sir Bob Geldof