May 29th, 2009
Wiener Zeitung
Die permanente Wiedergeburt
Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Man muss den Hut davor ziehen, welche Fülle von Meisterwerken des 20. Jahrhunderts sich nun in der Albertina häuft. Damit hat sich die Wiener Museumslandschaft nachhaltig geändert.
Die Darstellung der Nachmoderne, die (wie in anderen Museen üblich) heimische und internationale Positionen konfrontiert, wird durch zwei Ausstellungen im Herbst ergänzt: Eine zeigt Fotoarbeiten von Erwin Wurm und Gottfried Helnwein, eine weitere entsprechende Werke von William Kentridge, Südafrikas Künstlerstar dieser Tage.
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Was dem Namen nach eine "Graphische Sammlung" ist, muss innen längst keine mehr sein. Die "Meisterwerke der Moderne aus der Albertina" machen’s möglich: Ab Freitag präsentiert sich das Haus als Museum der klassischen Moderne und Nachmoderne. In den Räumen der "Jeanne and Donald Kahn Galleries" und der "Propter Homines Halle", im Ober- und Hauptgeschoß also, verweilen wichtige Leihgaben der Sammlungen Batliner, Forberg, Ploil und Djerassi in neuer Hängung bis zu den nächsten Großausstellungen.

Nicht, dass Bilder in der "Graphischen Sammlung" vor der Ära Schröder kein Plätzchen fanden – ausgewählte Genrewerke fungierten bei Ausstellungen als Vergleichsobjekte. Nun allerdings sind die Gemälde eindeutig in der Überzahl, dazu kommen noch Plastiken von Alberto Giacometti, Constantin Brancusi, Germaine Richier und Giacomo Manzu. Die Kritik an der Umgestaltung liegt auf der Hand, denn der Anteil der Grafik ist verschwindend gering.

Andererseits muss man davor den Hut ziehen, welche Fülle von Meisterwerken des 20. Jahrhunderts sich nun häuft. Damit hat sich die Wiener Museumslandschaft nachhaltig geändert. Werke, für die Werner Hofmann als Gründer des Museums des 20. Jahrhunderts (Vorläufer des heutigen Mumok) nie das Ankaufbudget bekommen hätte, sind jetzt auf einen Schlag da: Bilder von Pablo Picasso, Wassily Kandinsky, Henri Matisse, aber auch des deutschen Expressionismus und der russischen Avantgarde.

Fast schon eine One-Man-Show

Die Darstellung der Nachmoderne, die (wie in anderen Museen üblich) heimische und internationale Positionen konfrontiert, wird durch zwei Ausstellungen im Herbst ergänzt: Eine zeigt Fotoarbeiten von Erwin Wurm und Gottfried Helnwein, eine weitere entsprechende Werke von William Kentridge, Südafrikas Künstlerstar dieser Tage.

Wäre der Katalog zur aktuellen Ausstellung nicht fast ausschließlich von Rainer Metzger geschrieben und die Schau von Marie-Louise Sternath und Antonia Hoerschelmann mitkuratiert, müsste man die Albertina langsam als One-Man-Show Klaus Albrecht Schröders bezeichnen.

Die permanente Wiedergeburt aus den großzügigen Privatleihgaben bietet sich freilich als ideales Krisenmanagement an: Diese Aufstellung kann als Reaktion auf die Bundessubvention gelesen werden, die der Albertina um zwei Millionen Euro zu wenig ist. Nichtsdestotrotz werden bereits Pläne für Michelangelo- und Picasso-Ausstellungen lanciert – auch sie sind natürlich Garanten für Publikumsströme.

Sammlung Batliner

Meisterwerke der Moderne Klaus Albrecht Schröder (Kurator) Albertina (01/534 83) Dauerausstellung