In Stein gemeißelt ist nichts bei Erwin Wurm. Eher das Gegenteil: Sein Logo sind die "One Minute Sculptures". Skulpturen, die nur eine Minute existieren und von ihm fotografisch festgehalten werden.Vergänglichkeit also, die in ihrer Purheit skurril witzige Facetten offenbart. Anrührend sind die "One Minute Sculptures" auch, weil es in ihnen immer um Menschen geht. Um menschliche Körper, die sich in Konfrontation mit anderen Körpern wie Einkaufssackerln, Mistkübeln oder auch Bananen auf oft unfassbar komische Art offenbaren, ohne über die Vergänglichkeit hinwegzutäuschen. Das Überzeugende daran ist, wie sich Witz und Trauer die Waage halten."Body and Language. Zeitgenössische Fotografie aus der Albertina", ist der Titel einer Ausstellung in der Albertina. Zu sehen sind Werke von Künstlern, die dem Körper eine Hauptrolle zuteilen.
Erwin Wurm, von dem außer Fotos auch die Skulptur "Butterbrot" gezeigt wird, gab den Anstoß dazu. Ursprünglich hätte seine "One Minute Sculpture" mit Bananen in der Schau "Meisterwerke der Moderne aus der Albertina" gezeigt werden sollen. Während der Arbeit daran wurde umdisponiert. Tonia Hoerschelmann konzipierte gemeinsam mit Albertina-Chef Klaus Schröder die körpernahe Fotoschau "Body and Language".
Vergänglichkeit ist dabei ein großes Thema, ein anderes der Männlichkeitswahn und wie er unterlaufen wird. Während Helmut Newton in "Big Nudes" Frauen "so zubereitet, dass sich wohl keine Frau in ihrem Selbstverständnis darin wiederfindet, hat Gottfried Helnwein Männer ausschließlich so abgebildet, wie sie sich selbst präsentiert haben, wie sie wahrgenommen werden wollen", erklärte Klaus Schröder. Helden, kühn wie Clint Eastwood, überlegen wie Mick Jagger, distanziert wie Michael Jackson oder weich wie Keith Haring. Ein starkes Gegengewicht dazu bietet die kritische Selbstdarstellerin Elke Krystufek.Schönheit, Spannkraft und Attraktivität sind vergänglich. Das weiß man. Vor Augen geführt, wie es John Coplan mit seinen großen Schwarz-Weiß-Fotografien seines alten Körpers tut, ist es dennoch erschreckend. Die "Jugend unserer Zeit", abgelichtet von Marie-Jo Lafontaine, bietet erfreulichere Ansichten. Über die Faltenberge des John Coplan kann sie nicht hinwegtrösten, denn sie graben sich augenblicklich tief ins Gedächtnis.

"Body and Language. Zeitgenössische Fotografie aus der Albertina" läuft noch bis 27. September ebendort.