
Wiedersehen macht Freude. Deshalb präsentiert das Lentos schon wieder Höhepunkte der eigenen Sammlung: Nach der Schau „Best of Lentos“, die erst am 31. Jänner ihre Pforten schloss, und der großen Eröffnungsausstellung „Avantgarde und Tradition“, die von Mai bis November 2003 einen umfassenden Überblick über die wichtigsten Werke des Bestandes bot — von Gustav Klimt und Egon Schiele über Oskar Kokoschka bis zu Andy Warhol.
Klimts „Frauenkopf“ (1917) oder Schieles „Doppelbildnis Heinrich und Otto Benesch“ (1913) etwa kennen Lentos-Stammgäste aus eigener Anschauung aus mehreren Ausstellungen der letzten Jahre. Die Liste ließe sich fortsetzen, auch wenn es sich diesmal um die „bisher umfassendste Sammlungspräsentation“ handelt und Stücke aus dem angeschlossenen Stadtmuseum Nordico beinhaltet, wie Kuratorin Elisabeth Nowak-Thaller betont.
Auf 1400 Quadratmetern sind knapp 200 Werke von 120 Künstlern zu sehen, originell eingeteilt in „elf Räume, elf Jahrzehnte, elf Interventionen“. Nowak-Thaller hat sich auf die Jahre 1900— 2010 beschränkt. Jedem Jahrzehnt ist ein Raum gewidmet, mit den „Interventionen“ ist jeweils ein (optisch hervorgehobenes) Werk gemeint, dass dort nicht in den zeitlichen Rahmen passt. Jede Epoche wird durch große und kleinere, internationale und regionale Namen repräsentiert, außerdem jeweils durch mehrere Kunstströmungen und Stilrichtungen, wie Lentos-Ditrektorin Stella Rollig hervorhebt.
Im ersten Raum der chronologisch geordneten Schau sind Klassiker wie Helene Funke und Gustav Klimt vertreten. Als Kontrapunkt zu den Gemälden der Jahre 1900—1909 dient Lois Renners „Wong Kar-Wei“ von 2007, in den folgenden vier Wänden (1910—1919) ist es ein Bild von Arnulf Rainer, das sich unter die vorherrschenden Expressionisten wie Schiele oder Max Pechstein „mischt“.Nach einem Fotografie-Schwerpunkt in den 20er-Jahren wird in den nächsten beiden Räumen ein dunkles Kapitel beleuchtet: In Raum vier und fünf (30er- und 40er-Jahre) sind jeweils zwei Modelle jener Reiterstandbilder von Bernhard von Plettenberg zu sehen, die Hitler für die Linzer Nibelungenbrücke vorgesehen hatte.
„Emigration oder Anpassung?“ lautet das passende Motto über dieser Kriegs- und NS-Zeit. Einen radikalen Schnitt dazu bedeutet in Raum sechs die Aktionsmalerei der 50er-Jahre mit riesigen, farbintensiven Gemälden von Georges Mathieu („Le Massacre de la Saint Barhélémy“, 1959) und Markus Prachensky („Rouge sur blanc“, 1960).
Revolution, Aktionismus und Provokation prägten das Bild der 60er-Jahre, hier mit Kunst von Hermann Nitsch, Maria Lassnig oder Alfred Hrdlicka. Im Pop-Art-Raum der 70er-Jahre ist gleich dreimal Disneys berühmte Maus im Bild: Sie ist sowohl Teil von Claes Oldenburgs „Geometrischer Maus“ als auch von Jim Dines „Picabia III“, eine moderne und beängstigende Variante von Mickey zeigt dazu Gottfried Helnweins Porträt des US-Schockrockers Marylin Manson: „The Golden Age 1“.
Die expressive Malerei mit Werken von 1980 bis 1989 veranschaulicht dann nicht nur „schmerzhafte Körperlichkeit“, sondern auch, dass Oskar Kokoschka und Keith Haring „Brüder im Geiste“ waren, so Nowak-Thaller.Die Kunst der letzten beiden Jahrzehnte illustrieren Werken von Lois Weinberger und Irene Andessner, Julie Monaco oder Hubert Scheibl. Im letzten Raum heißt es abschließend: „You never know what will happen next ...“, ein großformatiges Bild von Johanna Kandl trägt denselben Titel wie die Ausstellung.*
Bis 25. Nov.: tägl. 10—18, Do. bis 21 Uhr. Eröffnung: heute, 19 Uhr. Eintritt: 6,50 € (ermäßigt 4,50 €). Begleitheft.