Ein großer Teil des Films zeigt den Künstler bei der Arbeit an unfertigen Werken in seiner irländischen Residenz. Zu einem Höhepunkt zählt jedoch die Begegnung mit dem kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger. Die Landsleute pflegen schon seit Jahren eine gute Freundschaft und gegenseitige Bewunderung, was mit der Präsenz eines beeindruckenden Landschaftsgemäldes Helnweins in den Hallen der kalifornischen Regierungsarbeit unterstrichen wird. Die gestiegene Faszination für monumentale Landschaften ist nur eine der zahlreichen Facetten des Oeuvres, das sich vor allem durch die Fokussierung auf verdrängte Themen auszeichnet, die der bürgerlichen Gesellschaft mit allen Mitteln vor Augen geführt werden müssen. So lassen sich die zahlreichen Darstellungen malträtierter Kinder als mahnende Abschreckung begreifen, die die Erinnerung an unmenschliche Verbrechen wie der Euthanasie oder der bewussten „Selektion“ am Leben halten. Die unheimliche Kälte der Bilder ist somit in Wirklichkeit ein mahnendes Plädoyer gegen den zerstörerischen Wahnsinn der Menschen.
Claudia Schmids Film wird Freunden von Helnweins Arbeit mit hoher Sicherheit zusagen. Kunstaffine aller Couleur können ebenfalls einen Blick in das aufschlussreiche Künstlerporträt riskieren. Was dem Zuschauer jedoch verwehrt bleibt, ist die Dechiffrierung ganz bedeutender Rätsel rund um Helnweins Kunst, wie das Erlangen der fotographischen Perfektion seiner Malereien. Der Künstler Gottfried Helnwein – Die Stille der Unschuld ist also trotz seiner relativ langen Laufzeit keine vollständige Erhellung der Welt des exzentrischen Österreichers gelungen (was durchaus positiv zu bewerten ist). Es bleibt jedoch zu jeder Zeit ein sehenswerter Film, der sich seinen Thematiken auf angebrachte Art und Weise nähert.
Der Künstler Gottfried Helnwein - Die Stille der UnschuldR: Claudia SchmidD: Gottfried HelnweinDeutschland 2009, 116 Min.
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