Eines kann das Pop-Business immer noch weit besser als der Kunstbetrieb: Star-Hysterie erzeugen. Zahlreiche Kamerateams und Fotografen überpurzelten einander am Montagabend im project space der Kunsthalle Wien - für eine Schau mit lediglich 23 Aquarellen. Aber die stammen immerhin vom bösen Gothic-Buben Marilyn Manson. Und der provokante US-Rockmusiker kam zur Eröffnung von "Genealogies of Pain" nach Wien. "Kunst gibt mir eine Freiheit, die ich in der Musik nicht bekomme", erklärt der 41-Jährige im KURIER-Gespräch. "In der Musik spürt man zumindest eine Verbindung zur Stimme, und denkt darüber nach, wer dahintersteckt. Das ist in der Kunst sekundär." In seiner Musik ist Manson (bürgerlich: Brian Warner) kein Tabu vom brutalen Tod über den Antichrist bis zur bitterbösen Mickey Maus zu heilig.
In der Kunst aber sind seine farbigen Leidens-Aquarelle keineswegs schockierend. Vor allem im Blick auf die Sexualität sieht sich Manson in der Tradition eines Egon Schiele, der ja doch eher vor 100 Jahren als heute aufregte. Auch David Lynch habe ihn in der Malerei beeinflusst, insbesondere mit dem Film "Blue Velvet". Mansons Aquarelle richten einen "verschwommenen, fast romantischen Blick auf das Grauen", sagt Kunsthallen-Chef Gerald Matt, sie zeigen die "Faszination des Blicks in den Abgrund
Höchst persönlich seien seine Werke, sagt Manson, mehr noch als die Musik. "Ich fühle mich sehr wohl, auf einer Bühne vor tausenden Leuten zu stehen", erklärt der Künstler. "Es ist dagegen sehr beängstigend, in einen Raum mit meinen Bildern zu kommen, in dem andere Leute sind. Wenn ich ein Bild vollende, zeige ich es niemandem, so lange ich nicht das Gefühl habe, dass es gut genug ist. Ich habe gelernt, auf meine Partner, meine Freunde zu hören. Wenn sie es mögen, ist das die größte Errungenschaft. Mit Musik ist es ein Dilemma - da schreibt man intime Texte, die man sonst mit niemandem teilen würde, und singt sie vor Fremden."
Die anfängliche Scheu vor dem Verkauf eines Werkes habe ihm sein Freund und Mentor Gottfried Helnwein ausgetrieben: Der Österreicher sagte Manson, dass dieser sich als Künstler eben daran gewöhnen müsse.

Die Ausstellung: Manson & Lynch Die Personen Marilyn Manson, 1969 als Brian Warner geboren, wurde als "Schock-Rocker" berühmt. David Lynch, 1946 geboren, begann seine Karriere mit Kurzfilmen, 1976 erschien sein Spielfilmdebüt "Eraserhead". Die Schau zeigt 23 Manson-Aquarelle und die Kurzfilme "Six Men Getting Sick" (1967), " The Grandmother" (1970) und "The Amputee" (1973). Treitlstraße 2, 1040 Wien. Tägl. 16-24 Uhr, So./Mo. 13 - 19 Uhr.