In ihrem dokumentarischen Porträt „Die Stille der Unschuld“ zeigt sie einen Künstler, der nie nach bloßer Provokation suchte, sondern nach der abgründigen Realität hinter dem schönen Schein des Alltags. Helnwein macht Kunst, die wehtut. Seine fotorealistischen Gemälde von geschundenen Mädchenkörpern waren nicht nur dem Bürgertum seiner Heimat Wien Beleg für seine Abartigkeit. Viele Jahre musste er sich mit Anfeindungen auseinandersetzen.
Der Film zeigt, dass Helnwein früh gelernt hat, damit umzugehen. Mit fünf Jahren schickten ihn seine Eltern zur Beichte - wegen „unkeuschen Doktor-Spielen“ mit dem Nachbarsmädchen. Immer weiter taucht der Film in die Psyche des Künstlers ein. Claudia Schmid verzichtet auf erklärende Off-Kommentare. Sie lässt Helnwein selbst erzählen, wie er sich als junger Mann zunehmend unverstanden fühlte und sich erst in der „inneren Einsamkeit der Kunst“ wieder frei fühlte.
Auf die immer wiederkehrende Frage: „Warum malen Sie so schreckliche Dinge?“, hat er eine Antwort gefunden. Den Horror erzeuge nicht er, seine Bilder könnten es mit dem Schrecken der Realität nicht aufnehmen. Der Horror entsteht im Unterbewusstsein des Betrachters.
116 Minuten beobachtet die Kamera Helnwein im Atelier, zeigt den außergewöhnlichen Familienalltag in einem irischen Schloss, fängt ein Treffen mit seinem Bewunderer Arnold Schwarzenegger ein. Auf seine Weise ist der Film so schwer konsumierbar wie die Kunst des Protagonisten.
