December 8th, 2010
Kurier
Maximilian Schell im KURIER-Interview
Conny Bischofberger
Maximilian Schell wird 80. Im Geburtstags-Interview auf seiner Kärntner Alm spricht er über seine Kindheit und seine vielen Leben.
Dem Maler Helnwein ist es auf dem Bild hinter mir gelungen, sie richtig einzufangen. Ihren schönen, gütigen Blick. Sie blickt mir jetzt über die Schulter. Helnwein hat auch das Bühnenbild zum "Rosenkavalier" entworfen. Einfach großartig!

Ist das hier auf der Alm Heimat für Sie?

Heimat … ist nichts Geographisches. - Greift sich an den Kopf, an die Lippen, auf den Bauch. - Heimat ist an vielen Orten. Hier, in der Wüste, in Paris, auch in Los Angeles fand ich es eigentlich sehr schön. L.A. ist eine unterschätzte Stadt, ich habe dort die schönsten Operninszenierungen gemacht, die ich machen konnte.

Waren Sie in der Michelangelo-Ausstellung?

Ja. Die Erschaffung Adams in der sixtinischen Kapelle, das hat sich mir schon als Kind eingeprägt. Gott schwebt über ihm, hat seine Hand ausgestreckt zu Adams Hand, aber die Finger berühren sich nicht, sie sind sich nur unglaublich nahe.

Denken Sie an Ihre Kunstsammlung, während Sie das sagen?

Ich habe den Großteil verkauft, weil Maria nach dem Tod sehr hohe Schulden hinterlassen hatte. Ich musste mich von vielen Bildern trennen, aber ich sagte mir, die Schönheit dieser Bilder bleibt ja dennoch bestehen. Sie sind halt jetzt woanders schön. Und ich habe ja noch immer welche.

Wir sitzen in Maria Schells Wohnzimmer. Ist sie da in diesem Moment?

Natürlich! Spüren Sie nicht ihre Aura? Hier ist alles noch so, wie es immer war. Einmal habe ich ein paar Sachen ins Museum getragen. Aber jetzt sind sie wieder da. Dem Maler Helnwein ist es auf dem Bild hinter mir gelungen, sie richtig einzufangen. Ihren schönen, gütigen Blick. Sie blickt mir jetzt über die Schulter. Helnwein hat auch das Bühnenbild zum "Rosenkavalier" entworfen. Einfach großartig!

Herr Schell, wie entfachen Sie das Funkeln in Ihren Augen?

Das mache nicht ich, das macht immer das Gegenüber. - Wirft seiner Freundin Iva Mihanovic einen verheißungsvollen Blick zu. - Das entsteht immer durch seinen Betrachter.

Sprechen wir über Hollywood: Wo ist Ihr Oscar?

Mein Oscar wandert. Und wo meine Golden Globes, meine Bambi, meine Romy sind - keine Ahnung! Ich weiß nur noch, dass Paul Newman traurig war. Er war ja auch nominiert. Nach der Verleihung gingen wir in eine Bar und tranken einen.

Stimmt es, dass Sie kein Wort Englisch konnten, als Sie nach Hollywood kamen?

Korrekt. Mein Vater sagte: Lerne lieber Griechisch, das kannst du immer brauchen. Englisch nur, um Shakespeare in der Originalfassung zu lesen.

Sie haben mit Marlon Brando, Sophia Loren, Peter Ustinov gedreht. Was war Ihre beste Rolle?

Sie werden lachen: Der Henry Higgins in "My fair Lady". Das war ja nicht geschrieben für jemanden, der nicht singen kann.

Und welche Filmrolle?

Ach, ich hatte so viele schlechte Kritiken. Auch die Kritiken über "Das Urteil von Nürnberg" waren schlecht. Die Kritiker wissen gar nicht, wie viel sie in einem Menschen zerstören.

War das so?

Ja. Ein Pianospieler kann schlecht Klavier spielen, aber immer noch ein guter Mensch sein. Auch bei einem Maler kann man sagen: er malt schrecklich, aber er ist ein toller Kerl. Als Schauspieler ist man sein eigenes Material. Ich hatte in meinem Leben so viele schlechte Kritiken, dass sich die Leute irgendwann gedacht haben: Na, so schlecht kann der doch gar nicht sein!

Was denken sich die Leute heute über Sie?

Ich will Ihnen was erzählen. Ich war einmal eingeladen in eine Berufsschule für Mädchen. Die Direktorin wollte den Kindern was bieten, die waren in einem richtig knackigen Alter und haben dennoch die ganze Zeit ziemlich viel gegähnt. Erst als mich eines der Mädchen fragte, ob es stimme, dass ich der Taufpate von Angelina Jolie sei, umhüllte mich eine rosa Wolke und trug mich mindestens zehn Meter in den Himmel hinauf. Die Mädchen beteten mich fast an! Jetzt wusste ich, warum ich lebte: Ich hatte Angelina Jolie aus der Taufe gehoben!

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