
Zwei Ziele hatte sich Linz als Europas Kulturhauptstadt 2009 auf die Fahnen geheftet: Steigerung des Bekanntheitsgrades und Nachhaltigkeit, was den Zustrom der Besucher betrifft. Letztere blieb zumindest für ein Museum ein Wunschtraum. Der Kunsttempel "Lentos" am Donauufer sackte 2010 noch unter die schlechten Zahlen des Jahres 2008 ab.
Die Hochrechnungen liegen bei 52.000 Besuchern - eine Halbierung, gemessen am vergangenen Erfolg als eines der Flaggschiffe der Kulturhauptstadt. "Im kommenden Jahr soll es wieder besser werden", sagt Direktorin Stella Rollig und spricht von einem einzigartigen Programm, das alle Genres ansprechen soll.Eines davon ist Karikatur - von und mit Gerhard Haderer. Für den bekannten Zeichner aus Leonding bei Linz ist schon vor seiner Präsentation "Schluss mit lustig". Das Lentos will ihm nur einen Bruchteil seiner Ausstellungsfläche zur Verfügung stellen. Haderer möchte deshalb mit der "jungen Direktorin" das Gespräch suchen und ihr die Bedeutung seiner Arbeiten erklären. "Die Frau hat sicher viel Ahnung von Kunst - ob das auch bei Karikaturen so ist, wird sich zeigen", meint der Zeichner.
Jürg Christandl Gerhard Haderer will mehr Platz.Stella Rollig sieht dem Dialog gelassen entgegen und kann auch Kritik an der Performance ihres Hauses nicht verstehen. "Erfolg lässt sich nicht immer in Besucherzahlen ausdrücken", betont sie. Im zu Ende gehenden Jahr seien Ausstellungen eher wenig bekannter Künstler zu sehen gewesen. Im Gegensatz dazu habe es 2009 eine Schau der besten Werke heimischer Größen gegeben. Und 2008 immerhin Oskar Kokoschka und Gottfried Helnwein.

Im Gegensatz zum Lentos befinden sich andere Museen in Linz im Aufwind: Das Ars Electronica Center (AEC) wurde heuer von 160.000 Menschen frequentiert - gegenüber 2008 eine Verdoppelung der Besucherzahlen. Das Schlossmuseum dürfte nicht nur vom Kulturhauptstadtjahr profitiert haben. Hier sorgt der neu errichtete Südflügel mit attraktiven Dauerausstellungen für nachhaltiges Interesse.Der Linzer Vizebürgermeister und Kulturreferent Erich Watzl, VP, ist trotzdem nicht rundum zufrieden. "Ich wünsche mir für die Zukunft eine noch stärkere Zusammenarbeit mit Schulen und dem Tourismus."NächtigungsrückgangORF OÖ Erfolgreiche Projekte wie "Höhenrausch", sollen 2011 in einer neuen Inszenierung wieder stattfinden.Was den Fremdenverkehr betrifft, sind aber einige Anstrengungen notwendig. Der Bonus der Kulturhauptstadt scheint auch hier verflogen zu sein. Genaue Zahlen sind noch nicht bekannt, aber der Rückgang bei den Nächtigungen soll bis zu 15 Prozent betragen. Alteingesessene Hoteliers wie Eduard Huemer beklagen vor allem den Neubau etlicher "Bettenburgen": "Das kann eine Stadt wie Linz kaum verkraften, wenn es keine attraktiven Angebote für Besucher gibt." Auch von den Messen im Design-Center und Kongressen gebe es im Moment wenig Impulse.So gesehen scheint es, dass die Kulturhauptstadt-Intendanten einige Baustellen hinterlassen haben. Das meint auch die freie Szene.Immerhin sind vom Budget rund 1,3 Millionen Euro übrig geblieben. Und einige Veranstaltungen, wie der Höhenrausch, sollen 2011 in einer neuen Inszenierung wieder stattfinden.
