Seit einem halben Jahrhundert zeichnet er Frauen, üppige, laszive Frauen. Was ihm an ihnen am besten gefällt? „Das Gesicht“, sagt er ohne rot zu werden. Die Albertina zeigt jetzt 100 seiner besten Arbeiten.
Seine Commercial Pin-ups machten ihn berühmt. Die in Öl gemalten Persiflagen auf die wunderbare Welt der Werbung sind bis 29. Mai in der bisher größten europäischen Retrospektive in der Wiener Albertina zu sehen. Im WIENER-Interview spricht Mel Ramos über Baywatch-Blondie Pamela Anderson, das Leben in Spanien und sein hingebungsvolles Dasein als Familienmensch.
Ich bin viel in der Galerie anwesend, aber mein Sohn und meine Tochter, die auch meine Studio-Managerin ist, kommen ebenfalls mit und wir sehen uns in der Oper La Nozze di Figaro an.
Seit 1956. Ich bin vor allem an Ikonen interessiert und male Gesichter aus den Medien. Die Models, die ich fotografiere, bezahle ich normalerweise. Ich habe auch schon Pamela Anderson gemalt. Die hab ich aber nicht bezahlt, denn sie kam mit einem Auftrag zu mir.
Das Gesicht. Und mir gefallen vor allem Frauen, die intelligent sind.
Oh Gott, nein. Ich bin ein Familienmensch!
Ich habe sie an einem Strand am Lake Tahoe getroffen, wo ich meinen Kater ausgeschlafen habe. Sie ist dort gestanden und hat mit meinem Freund geredet. Ein Jahr später haben wir geheiretet. Heute ist sie 76.
Wie sie jetzt ist, nicht mehr. Aber ich male das Mädchen, das ich geheiratet habe.
Es ist beschissen. Mein Körper ist alt, aber mein Gehirn ist es ganz gewiss nicht.
Ich bin aufgewacht, habe tief ein- und ausgeatmet und war dankbar diesen Tag zu haben. So mache ich es eigentlich jeden Tag.
Ich habe mir 1971 ein Haus in Horta de San Juan gekauft und verbringe dort drei Monate im Jahr. Ich mag die Geschichte, die wunderbare Landschaft und die fantastischen Leute. Es ist ein magischer Ort. Meine Freunde passen auf mein Haus auf und bringen mir jeden Tag Gemüse aus ihrem Garten vorbei.
Das hängt von der Größe ab. Aber so ungefähr zwischen 125.000 und 250.000 Dollar.
Die Amerikaner sind sehr konservativ und meine Werke sind dort nicht so beliebt wie in Europa. In Europa wird Kunst höher geschätzt. Sie kannten Andy Warhol und Roy Liechtenstein persönlich.
Andy war homosexuell. Ich kannte ihn nicht so gut und habe ihn nur ab und zu auf Partys in New York getroffen. Roy ist ein guter Freund von mir geworden. Es gibt immer noch Fotos von uns beiden aus den 60ern, die jetzt für eine Ausstellung angefragt wurden.
Ja, Gottfried Helnwein ist ein guter Freund von mir. Wir haben letztes Jahr auch in derselben Galerie in San Francisco ausgestellt. Ich gehe zu allen seinen Ausstellungseröffnungen.
