Pforzheim. Es ist ein Abend der Schwärmerei mit Alfred Biolek. Eckard Mickel, Organisator des PZ-Autorenforums, schwärmt am Dienstagabend vom Altmeister des Talks und dem Buch über ihn, „Alfred Biolek – Meine Heimat Europa – Reisen – Begegnen – Erinnern“ von Nahuel Lopez. Biolek selbst schwärmt anschließend mit PZ-Redakteur Thomas Kurtz vom einfachen, aber guten Essen und vom Reisen. Dazwischen nimmt uns der 77-jährige Weltbürger lesend mit nach Wien und Paris.
Den literarischen Kurztrip nach Athen lässt er spontan ausfallen. Über die Hellas-Metropole zu schwärmen, fällt in diesen bewegten Tagen ohnehin schwer, selbst einem so begnadeten Genussmenschen und Schwärmer, wie ihn Alfred Biolek verkörpert.Wien liegt Biolek dabei am stärksten am Herzen. Dort verbrachte er einen Teil seiner Kindheit und seines Studiums, dort sind „meine Wurzeln“. Und so sitzen wir bald in einer fröhlichen Runde im Lokal „Am Nordpol 3“ in der Leopoldstadt, dem früheren jüdischen Viertel. In der Stube mit „studentischem Charme“ erfahren wir viel über Bioleks Eltern und ihre Liebe zu Wien. Und wir hören Ansichten voller Esprit, etwa zu der Frage: „Was macht einen Wiener zum Wiener?“
Später treffen wir den Künstler Gottfried Helnwein (63) im Café „Tirolerhof“. Dort ist der Topfenstrudel „besonders gut“, weiß Biolek. Helnwein ist ebenfalls so ein Wiener, der zwar woanders lebt – in Kalifornien und Irland –, den jedoch die Donaumetropole nach Jahren der Entfremdung nun wieder einfängt. Wien, so Helnwein, habe erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs seinen alten Charme zurückgewonnen.„Der osteuropäische Resonanzkörper hat doch sehr gefehlt. Es war wie ein großes Aufatmen, wie ein Durchatmen“, veranschaulicht der Maler, der für seine bizarren Motive berühmt ist. Beide eint die Liebe zur USA, im Fall Bioleks vor allem New York, und beide entwickeln dort aber keine Heimatgefühle.