Große Proteste löst der stets in schwarz gekleidete Maler mit den gewalttätigen Bildern schon länger nicht mehr aus. Der dargestellte Missbrauch und die Misshandlungen wird nicht mehr wie einst als Provokation empfunden, sondern als ein Finger in die Wunden legen.Er porträtierte Schock-Rocker Marilyn Manson und machte Cartoon-Figuren wie Mickey Mouse salonfähig. Besonders die Beschäftigung mit den Disney-Charakteren veränderte sein eigenes Leben stark: «Von Donald Duck habe ich mehr gelernt als in allen Schulen, die ich besucht habe», sagte Helnwein im Mai in Wien.
Wien war ein schrecklicher OrtSeine eigene Kindheit im Wien der Nachkriegszeit habe er als bedrückend empfunden: «Wien war damals ein wahrhaft dunkler und schrecklicher Ort.» Mit den ersten Comicheften rund um Mickey Mouse habe sein Leben erstmals einen Sinn gehabt: «Es war wie das Betreten eines utopischen Paradieses.»Als Sohn eines Postbeamten wächst Helnwein in einem Arbeiterviertel auf. Er wechselt oft die Schulen und findet seinen Platz in der Gesellschaft nicht. «Mein Tagtraum war die Schule anzuzünden und eine Revolution auszulösen», sagte er. Erst als Helnwein beschließt Künstler zu werden, ändert sich das.
Blutüberströmtes Kind: ohne Prüfung aufgenomnmenEr studiert an der Wiener Hochschule für Grafik und an der Wiener Kunstakademie. Dort bewirbt er sich mit dem berühmten «Osterwetter»: Auf dem Aquarell mit idyllischer Blumenwiese sind zwei kleine Mädchen in weißen Kleidern zu sehen: eines blutüberströmt am Boden, das andere blutbespritzt mit Messer in der Hand. Er wird - ohne Prüfung - sofort an der renommierten Akademie aufgenommen.Seine ersten Werke bringen ihm in seiner Heimatstadt den Ruf eines «Blut-und-Narben-Malers» ein, doch er macht auch international auf sich aufmerksam. Als Grafiker gestaltet er die Titelbilder von Magazinen wie «Spiegel», «Esquire», «Time» und «Playboy». Sein «Selbstporträt» von 1981 als Plattencover der Band Scorpions - ein schreiender Mann mit bandagiertem Kopf und Gabeln in den Augen - pinnen sich reihenweise Jugendliche als Kultposter an die Wand.