
Beide sind sie Unternehmer, beide unterstützen sie Kunst und Kultur - aus Verantwortung der Gesellschaft gegenüber und auch aus privater Leidenschaft. Peter Klein hat mit seinem Privatvermögen die Galerie "Kunstwerk" in seinem Heimatort Eberdingen-Nussdorf für seine Kunstsammlung gebaut. Berthold Leibinger, Seniorchef von Trumpf in Ditzingen, gründete eine Stiftung, die sich in der Region für das Deutsche Literaturarchiv in Marbach mit Literaturmuseum der Moderne und Schiller-Nationalmuseum engagiert.Auch Peter Klein hat gemeinsam mit Ehefrau Alison eine Stiftung, die Vereine und Projekte vor allem in seiner Heimatregion fördert, "um den Menschen hier, wo ich groß geworden bin, etwas zurückzugeben", sagt er. "Aufgrund der Verbundenheit der Stifter mit ihrem jahrzehntelangen Lebensraum, der Gemeinde Eberdingen und den umliegenden Landkreisen, soll die Förderung speziell den Menschen aus dieser Region zugutekommen", so die Stiftungsrichtlinien.
Aber die 1800 Werke umfassende Kunstsammlung gehört ihm ganz privat. "Das ist mir wichtig, dass ich meine Kunstleidenschaft mit meinem privaten Geld finanziere, nicht mit Geld aus den Firmen und auch nicht mit Stiftungsgeld und auch nicht für Marketingzwecke, wie dies viele Unternehmer tun. Mir ist die Kunst ein persönliches Anliegen." Peter Klein ist in Nussdorf bei Eberdingen aufgewachsen, dort hat er auch seine Firma gegründet, die er zum Weltmarktführer für Schnellverschlusskupplungen machte, mit Niederlassungen in unzähligen Ländern der Welt und 500 Beschäftigten, 220 davon in der Nussdorfer Zentrale, die auch vom neuen Besitzer, der Firma Parker Hannifin, übernommen wurden. Das war Klein wichtig und nicht verhandelbar, genauso wie der Kaufpreis im dreistelligen Millionenbetrag. Im Jahr 2007 ist er "in Pension gegangen", so drückt er sich aus. Er verkaufte alle Firmen und zog sich vom aktiven Geschäftsleben zurück.
Peter Klein lebt immer noch in Nussdorf, aber auch in New York, da seine Frau Alison US-Amerikanerin ist und seine Kinder dort leben. Aber er ist auch viel auf Reisen: Dann besucht er Künstler, Galerien und kauft Kunstwerke, die er dann in das Depot seines Museums "Kunstwerk" bringt. 1800 Kunstwerke lagern dort. Peter Klein, so befand erst kürzlich eines der führenden Kunstmagazine, gehört zu den 200 wichtigsten privaten Sammlern von Kunst in der Welt. In der Liste stehen einige schwäbische Unternehmer: die Sammlung Würth in Schwäbisch Hall, Weishaupt in Ulm, Ritter in Waldenbuch, um nur einige zu nennen.
Wenn Peter Klein seine Schätze zeigt, hier eine Wand mit Gemälden herauszieht und da plötzlich angesichts eines Werkes von Anselm Kiefer, seinem Lieblingskünstler, ganz still wird, dann weiß man, dieser Mann liebt die Kunst. Es begann, so erzählt Klein, als er Ende der 1970er-Jahre für Büroräume ein Gemälde wollte und einen Galeristen fragte. Der empfahl ihm Wolfgang Kappis. Peter Klein lernte den 2004 verstorbenen Künstler kennen - und kaufte sein erstes Kunstwerk. Noch heute hängt es im Eingangsbereich seiner Nussdorfer Galerie "Kunstwerk". Diese liegt im übrigen zwischen der Robert-Bosch-Straße, der Gerhart-Hauptmann-Straße, der Daimler-, der Schelling-, der Max-Planck-Straße und dem Erich-Kästner-Weg. Die Straßennamen schwäbischer Dichter und Erfinder deuten auf die typisch baden-württembergische Liaison zwischen Kultur und Kapital hin. Deswegen ist der Ort für die Galerie im Nussdorfer Industriegebiet, in der Siemensstraße, ein passender.
Peter Klein naschte vom Apfel der Kunst und verfiel ihr - "voll und ganz", sagt er. Sein Hauptaugenmerk liegt auf zeitgenössischer deutscher Kunst sowie der Kunst der Aborigines. Natürlich besitzt Klein auch Werke großer Künstler wie Anselm Kiefer, Sigmar Polke oder Gottfried Helnwein. "Von Anselm Kiefer kaufe ich eine Arbeit pro Jahr", sagt Klein.

Bekannt aber ist Peter Klein dafür, dass er junge Künstler entdeckt, sie fördert und vor allem konsequent sammelt. "Aber immer muss es zuerst kribbeln und ein Dialog mit dem Bild stattfinden", so Klein, der nur Arbeiten kauft mit "sozial- und gesellschaftspolitischer Aussage". Werke von Franziska Hollstein oder Markus Oel hat er gekauft, als noch nicht absehbar war, wie wichtig sie einmal für die Kunst werden würden. Aber er sammelt und unterstützt auch regionale Künstler, wie Manuel Knapp aus Großglattbach oder Hans-Christian Brix aus Oberriexingen.
Weil sich Peter Klein sehr bewusst darüber ist, dass er ohne "meine Nussdorfer" nie so viel Erfolg gehabt hätte, wollte er irgendwann etwas zurückgeben. Und plötzlich wird der freundliche Unternehmer ganz leidenschaftlich: "Ich ärgere mich so, dass es immer noch Unternehmer gibt, die sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht bewusst sind und mit ihren Beschäftigten nicht gut umgehen. Ich habe immer versucht, alle meine Mitarbeiter als unverzichtbaren Teil des Erfolges zu sehen." Das Museum baute er in Nussdorf "für die Nussdorfer, ich wollte, dass es Kunst nicht nur in großen Städten gibt". Und die Besucher kommen. 8500 waren es 2013, 75 Führungen wurden gemacht. Außerdem gab es 30 Workshops für Schulklassen, umsonst natürlich.
Prof. Dr. Berthold Leibinger, Seniorchef der Firma Trumpf in Ditzingen, gründete 1992 seine Stiftung, die wissenschaftliche, kulturelle, kirchliche und soziale Einrichtungen und Projekte in der Region und deutschlandweit unterstützt. Der Sohn eines Stuttgarter Kunsthändlers für ostasiatische Kunst engagierte sich schon vor der Stiftungsgründung in vielen Bereichen. "Individuelles Engagement und die Übernahme von Verantwortung bilden das Fundament für die zukünftige Entwicklung unserer Gesellschaft", sagt Leibinger.
Die Gesamtfördersumme der Berthold-Leibinger-Stiftung betrug bis zum 30. Juni 2013 insgesamt über 9,5 Millionen Euro. 3,7 Millionen Euro wurden für kulturelle Projekte ausgegeben. Das Stiftungskapital beträgt 9,9 Millionen Euro, die Stiftung ist außerdem mittelbar über die Berthold-Leibinger-Beteiligungen GmbH mit fünf Prozent an der Trumpf GmbH+Co. KG beteiligt. "Auf dem Gebiet der Literatur ist es uns ein Anliegen, dass Archive und Nachlässe von Schriftstellern gesichert und erschlossen werden", erklärt Brigitte Diefenbacher, die Geschäftsführerin der Stiftung. Vor allem das Deutsche Literaturarchiv in Marbach liegt Berthold Leibinger seit Anbeginn am Herzen, auch privat unterstützt die Familie Leibinger die Institution, wo sie kann. Als Vorsitzender des Freundeskreises des Literaturarchivs setzt Leibinger sich für die Belange der Literatur ein. Leibinger förderte große Erwerbungen wie den Nachlass Erich Kästners oder das Siegfried-Unseld-Archiv ebenso wie Bauprojekte (Literaturmuseum der Moderne, Innensanierung des Schiller-Nationalmuseums). Berthold Leibinger erklärt sein "Mäzenatentum", wie er es nennt, so: "Warum richtet man eine Stiftung ein? Um Gutes zu tun, als Ausdruck der Dankbarkeit für zugefallenen Erfolg? Als Zeichen für die nachfolgende Generation oder um den Namen weiterleben zu lassen? Alles mag ein wenig einfließen, aber das wichtigste ist sicher der Wunsch, besondere Anliegen zu unterstützen und zu fördern.