Stuttgart - Mit akustischen Instrumenten, zart und nur mit dem sanften Auftrieb eines kleinen Streichorchesters, war er noch nie über Stuttgart hinweggefegt, der Hurrikan. Im Herbst 2013 gaben die Scorpions nahe Athen drei Konzerte für MTV-Unplugged. Mit neu arrangierten Material und griechischem Bühnenbild spielten sie nun eine kleine Tournee in ihrer Heimat, die nochmalige Verlängerung ihrer revidierten Abschiedstournee.
In Kempten, München, Köln und Hamburg trat die Band in den vergangenen Wochen auf, nun war Stuttgart Schauplatz des letzten deutschen Konzertes dieser Unplugged-Tournee: 12 000 Menschen lagerten am Sonntagabend vor der buntschillernden Bühne, auf der die erfolgreichste und älteste Hard-Rock-Band Deutschlands ihre großen Erfolge noch einmal präsentierte – in neuer, ganz ungewohnter Verpackung.Im Hintergrund die Atmosphäre des klassischen Athen, die Säulen, die Leinwände, auf denen zwischen den visuellen Flügen in die Hardrock-Welt antike Motive leuchten – davor die Band, um einen Schlagzeuger ärmer, an diesem Abend, um viele Helfer reicher.
Mehr als zwei Stunden spielen die Scorpions in der SchleyerhalleJames Kottak, der bei den Scorpions seit 1998 das Schlagzeug spielt, befindet sich nach unbestätigten Meldungen nach wie vor in Dubai in Haft – auf der Bühne nun also der Schlagzeuger Johan Franzon, der bald beweist, dass er viel mehr als nur Ersatz ist. Unplugged spielen die Scorpions viele Instrumente, Musiker mit Akkordeon, Percussion, Keyboard ergänzen sie. Rudolf Schenker greift einmal zu Sitar, indische Percussion pulst dazu, und bei Franzons großem Drumsolo mischt sich der Percussionist Pitti Hecht ein, aus dem Solo wird ein Duett und einer der Höhepunkte des Abends.
Das Konzert folgt der Dramaturgie des Athener Auftrittes der Scorpions, so wie er auf der jüngst erschienen CD und DVD wiedergegeben ist. Keiner der großen Hits fehlt, manch einer von ihnen jedoch klingt anders, kommt nun als filigranes Picking oder erhält seine Dynamik von dem kleinen Streichorchester, das die Band begleitet.Die Streicher zaubern manchmal Melodien, hauchen Gefühle, können aber auch klangliche Explosionen hervorbringen – bei „Rock you like a Hurricane“ natürlich, das Klaus Meine gemeinsam mit Johannes Strate singt, der Stimme von Revolverheld. Bei einigen Stücken ist auch die Sängerin Cäthe auf der Bühne, die schon in Athen bei dem Song „In Trance“ mit dabei war.
Mehr als zwei Stunden spielen die Scorpions in der Schleyerhalle in einem Strauß von Laserstrahlen, intensiv leuchtenden Farbspielen auf den fünf Leinwänden zwischen ihren griechischen Säulen. Jene Songs die man kennt, überall auf der Welt, heben sie sich auf, für ihre lange Zugabe. Schließlich springt das berühmte Cover, das der Maler Gottfried Helnwein für das Album „Blackout“ schuf, die Zuschauer an, schließlich singt Klaus Meine, der in drei Wochen seinen 66. Geburtstag feiert und in Stuttgart beste Laune hat, „Still loving you“ und „Big City Nights“. Und er singt sein „Wind of Change“ – ein stilles, zerbrechliches Lied wird hier daraus, die Kamera fängt den Sänger vor einer Bildwand ein, Meines Gestalt wiederholt sich im Unendlichen, nur Rudolf Schenkers Gitarre und ein Cello spielen dazu.
