Gottfried Helnwein, geboren in Wien, wurde vor allem durch seine Selbstportraits sowie die hyperrealistischen Bilder verwundeter und bandagierter Kinder bekannt. In seinem gesamten Schaffen setzt sich der Künstler mit Schmerz, Verletzung und Gewalt auseinander. Er berührt dabei häufig in schockierender Art Tabuthemen und Missstände der jüngeren Geschichte und Gesellschaft. Die Schau in Isny gibt einen kleinen Einblick in das Werk Helnweins, vorwiegend aus den letzten 20 Jahren.
Im Zentrum der Arbeit Gottfried Helnweins steht vor allem die Darstellung des Kindes. Das Kind, Sinnbild der Unschuld und Reinheit, steht in seinem künstlerischen Prozess für wehrlose, abhängige und ausgelieferte Menschen. Über die Jahre entwickelte sich das Kind im Schaffen Helnweins weiter und er variierte dieses Thema in unterschiedlichen Medien: in Aktionen und deren fotografischer Dokumentation, in der Farbfotografie ebenso in der Malerei oder seinen Bühnenbildern für Theaterinszenierungen.
Seit den 80er Jahren führt Gottfried Helnwein auf seinen Bildern immer wieder zusammen, was nach der Erfahrung des Betrachters nicht zusammengehört: Manga-Figuren und Szenen des Kriegs oder Donald Duck und Hitler. Der Künstler arbeitet mit den unterschiedlichsten Techniken und Stilmitteln. Neben der Zeichnung, der Aquarell-, Acryl- und Ölmalerei und verschiedenen Mischtechniken ist die Fotografie ein wesentliches Medium für ihn. Die Albertina in Wien widmete Gottfried Helnwein 2013 aus Anlass seines 65.Geburtstags die bisher größte Retrospektive, die von 250000 Besuchern gesehen wurde.
Mit so viel Zuspruch rechnet Katharina Breyer vom Kulturbüro zwar nicht, dass Helnwein einige Besucher aus dem süddeutschen Raum, aus Österreich und der Schweiz nach Isny locken wird, dagegen schon. Dass Helnwein ausgerechnet in Isny ausstellt, hat mit der langjährigen Freundschaft des Österreichers mit Friedrich Hechelmann zu tun. „So sind wir ganz schnell vorgedrungen“, freut sich Breyer.
„Wir sind uns bewusst, dass es zu Diskussionen kommen wird“, sagt Breyer über die kommende Ausstellung. Um die Lust an der Provokation, die Helnweins Schaffen auszeichnet, einzuordnen, ist vorab auch ein Rundgang durch die Ausstellung mit Multiplikatoren der Isnyer Kunst- und Kulturszene geplant. Oliver Spiecker werde den Rundgang leiten, sagt Breyer. Spiecker kennt Helnweins Werk durch und durch, nicht zuletzt durch die Arbeit für das Buch „Malen heisst sich wehren – Oliver Spiecker im Gespräch mit Gottfried Helnwein“.
Spiecker wird auch die Eröffnungsrede am Abend der Vernissage halten am Samstag, 19. Juli, halten. Zu diesem Anlass wollte ursprünglich auch Gottfried Helnwein selbst nach Isny kommen. Aus organisatorischen Gründen musste der in Irland und den USA lebende Künstler diesen Termin aber absagen.
Städtische Galerie im Schloss, Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag, 14 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag, Feiertage 11 bis 18 Uhr, Montag und Dienstag geschlossen, Eintritt: 5 / ermäßigt 3,50 / Familienkarte 12,50 Euro.