Da steckt schon etwas mehr dahinter. Immerhin haben wir auch in Isny einen der „Malerfürsten“ wohnen, der internationalen Ruf hat. Friedrich Hechelmann und Gottfried Helnwein haben acht Jahre lang gemeinsam in Wien studiert und haben in vielem eine Seelenverwandtschaft entwickelt, die nun schon Jahrzehnte besteht.
Gottfried Helnwein war schon oft in Isny und die Räume im Schloss bieten sich wirklich gut für eine Präsentation von Helnweins Bildern an. Was dort nun zu sehen ist, hat nicht die Größe der Retrospektive in der Wiener Albertina. Hier wurde klein aber fein zusammen getragen, was den Flair von Helnweins Schaffen und die damit vermittelten Gedanken herüber bringen kann. Gewiss, oberflächlich betrachtet sind viele seiner Werke einfach schockierend und das sollen sie ja auch. Schon der Titel der Isnyer Ausstellung „Lasset die Kleinen zu mir kommen“ enthält reichlich Stoff zum Nachdenken.
Für die Eröffnung der Ausstellung am Samstag hat Oliver Spieker, Journalist, Buchautor, Regisseur und Drehbuchautor, die Vertretung des verhinderten Gottfried Helnwein übernommen. Spieker hat schon ein Buch über Helnwein heraus gebracht und die vielen Stunden intensiver Gespräche offenbarten ihm einen Künstler, der sich zwischen den Welten hin und her bewegt. Für ihn, Helnwein, ist Walt Disney genauso wichtig wie Leonardo Da Vinci. Er und seine Familie bewegen sich zwischen dem Schloss auf einer irischen Insel, Wien, New York, und Los Angeles, aber seine wirkliche Heimat – so Laudator Oliver Spieker – ist allerdings in Entenhausen.
Die Welt unschuldiger Kinder mit mörderischen Waffen und in adretten Uniformen, die blutverschmiert sind oder scheinbar in Erwartung irgendwelcher Katastrophen – mit wissenden Augen und in Szenen die weder Anfang noch Ende anbieten – sind allerdings genauso in seinem Schaffen wie die Widersprüche wie sie im Bild mit Adolf Hitler und Mickey Maus zu finden sind. Dazu bemerkte Spieker: „Was wäre wohl geschehen, wenn Adolf Hitler auf Mickey Maus gehört hätte oder gar, wenn die Wiener Akademie Hitler als Studenten angenommen hätte.“ Zu den Bildern von Helnwein gibt es keine ausführlichen Erklärungen. Diese Bilder sprechen für sich, man muss nur hinhören können.
Seine Maltechnik ist hyper-fotorealistisch und tausende und Millionen von feinen Pinselstrichen sind nötig, um diese Wirkungen zu erzielen. Helnwein hat für sich entdeckt, dass er während des Malens Hörbücher hören kann. Wann sollte er neben der Malerei auch noch Lesen können?
Die Vernissage selbst hatte einen (fast) normalen Verlauf. Dejan Jordanow spielte Schubert an dem Flügel im Refektorium des Schlosses und dann ließ es sich Friedrich Hechelmann nicht nehmen, selbst einiges aus der Wiener Zeit und den daraus entwickelten Gedanken darzulegen. „Mit unseren Arbeiten versuchen wir, ein Gegengewicht zu schaffen, zu dem was sich heute Zivilisation und Kultur nennt. Mit den Ergebnissen sind wir nicht zufrieden. Allerdings: Ein zufriedener Künstler ist dem Tode nah“, meinte er. Oliver Spiekers brillante Rede schloss sich an und erst dann war offiziell der Zeitpunkt gekommen, sich den Bildern zu widmen.
Gehen Sie in die Ausstellung (Die Besucherzahle in Wien in der Albertina lagen bei 280.000) und machen sie sich auf einige Schockmomente gefasst. Nehmen Sie sich Zeit, gehen Sie auch einmal dichter heran, aber kommen sie nicht auf den Gedanken Sie hätten dann alles begriffen. Hier sieht man nicht nur perfekte Malerei sondern bekommt einen Einblick in Seelenlandschaften eines der Großen der internationalen Kunstszene.
Die Ausstellung läuft noch bis 28. September und hat mittwochs bis freitags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr geöffnet.