Gerade mal 16 Großformate umfasst die Schau mit dem Titel „Lasset die Kleinen zu mir kommen“. Doch wie so oft ist weniger mehr, denn diese Bilder brauchen Platz, um zur Geltung zu kommen.
Die Ausstellung in Isny ist Friedrich Hechelmann zu verdanken, der einst mit Gottfried Helnwein in Wien an der Akademie studiert hat und bis heute freundschaftlich mit ihm verbunden ist. Beide Künstler sind exzellente Handwerker, malen so altmeisterlich, dass man meinen könnte, es handele sich um Fotografien. Doch während Hechelmann die heile Welt ins Bild rückt, widmet sich Helnwein den Schattenseiten unserer Gesellschaft.
Dabei ist er einer der populärsten Künstler unserer Zeit: Millionen besitzen oder besaßen ein Bild von ihm. Sein Selbstporträt hinter Glasscherben mit bandagiertem Kopf und in die Augen stechenden Gabeln zierte die „Blackout”-LP der Hardrock-Band „Scorpions” von 1982, die sich sechs Millionen Mal verkaufte.
Ein Werk aus dieser berühmten Selbstbildnis-Serie begrüßt jetzt in Isny den Besucher beim Eintritt in den Saal. Und egal in welche Richtung er sich wendet, hinter jedem Eck, hinter jeder Säule lauert ein Opfer. Meist sind es junge Mädchen in verschiedenen Posen: mal mit einer Waffe in der Hand, dann wieder blutverschmiert oder weinend, und mal schauen sie auch nur unendlich traurig aus. Dazwischen finden sich erschütternde Bilder wie etwa von einem Veteranen aus dem ersten Weltkrieg, dem eine Granate das Gesicht zerfetzt hat, oder von einem Soldaten, der ein Kind aus den Trümmern einer Stadt rettet, während im Vordergrund ein Mangagirl posiert oder von Micky Maus, die so fies grinst, dass es einen fröstelt.
Spätestens hier wird klar, dass die Arbeiten des Wieners auf den ersten Blick zwar plakativ und trivial wirken, auf den zweiten aber das Hintergründige, das Böse offenbaren. Gottfried Helnwein selbst hat einmal gesagt, dass „Malerei wie Rockmusik sein muss“. Das heißt: Sie muss eine ursprüngliche, primitive Kraft haben, eingängig und populär sein, unter die Haut gehen, die Seele berühren. Helnweins hyperrealistische Gemälde erfüllen zweifellos all diese Kriterien. Fast alle könnten zu einer Fotoreportage in der Tagespresse gehören. Auch das macht sie so brutal.
Bis 28. September in der Städtischen Galerie Isny. Öffnungszeiten: Mi-Fr 14-18 Uhr, Sa, So und Feiertage 11-18 Uhr. Am 19. August um 20 Uhr zeigt das Ringtheater in Isny einen Dokumentarfilm über Gottfried Helnwein mit dem Titel „Die Stille der Unschuld“. Kartenvorverkauf bei Isny Marketing GmbH sowie im Tourismusbüro unter Tel.: 07562/975630.