Staatliches Russiches Museum, Sankt Petersburg
MUSEUM LUDWIG IM RUSSISCHEM MUSEUM
Evgenija Petrova
Kurator, Staatliches Russiches Museum, Sankt Petersburg
Die Ludwig Schenkung
"Kindskopf", 1991, Öl und Acryl auf Leinwand, 650x403.5 Seite 278 Vorstufen zu diesem monumentalen Gemälde sind in Helnweins vielfach variierten Darstellungen leidender Kinder aus den 70er Jahren zu sehen, vor allem aber in der Kölner Installation "9. November Nacht", 1988. Das menschliche Gesicht, besonders das kindliche, ist für Helnwein von größter Faszination und mithin eines seiner zentralen Bildsujets. Das hier vorgestellte monumentalisierte Gesicht eines kleinen Mädchens steht gleichsam stellvertretend für alle Kinder. Kinder sind in unserer profit- und leistungsorientierten Erwachsenengesellschaft beinahe als Randgruppe zu bezeichnen, fällt doch die Beachtung ihrer Interessen vergleichsweise bescheiden aus. Vor diesem Hintergrund ist die extreme Vergrößerung des Gesichtes in Verbindung mit der hyperrealistischen Auffassung als eine beklemmende Irritation unserer gewohnten Wahrnehmungserfahrung zu verstehen. Ursprünglich wurde der "Kinderkopf" in einer Minoritenkirche in Krems, Stein gezeigt; und zwar an der zentralen Stelle eines frühgotischen Raumes, was dem Bild zweifelsohne eine sekrale Note verlieh.

Autoren: Evgenija Petrova, Aleksandr Borovskij, Marc Scheps, Irene Ludwig

Die Ludwig Schenkung

Der gegenwärtige Kunstprozeß ist defnitiv kontextabhängig. Ohne die gesamte Situation der Weltkunst zu verstehen, kann der reale, nicht mythologisierte Wert konkreter Erscheinung der russischen Kunst nicht bestimmt werden. "Deutscher Neoexpressionismus aus der Sammlung Sanders", "An der Grenze" (amerikanische Video-Kunst), "Gottfried Helnwein", "Installation von B. Eno" sind nur einige Beispiele für die im Rahmen des Projektes bereits veranstalteten Ausstellungen.Von dem hohen Kulturwert des Projektes "Ludwig Museum im Russischen Museum" zeugt vielleicht am besten der Ausstellungsraum im Mamorpalast, ein mit hoher künstlerischer Spannung geladener Raum - eine anschauliche Umsetzung der Idee des allgemeinen Kontextes, in dem sich der gegenwärtige Kunstprozeß entwickelt.Aleksandr Borovskij

HELNWEIN, Gottfried

ÖsterreichGeboren 1948, WienLives and works in Ireland and USA

"Kindskopf", 1991, Öl und Acryl auf Leinwand, 650x403.5

Seite 278Vorstufen zu diesem monumentalen Gemälde sind in Helnweins vielfach variierten Darstellungen leidender Kinder aus den 70er Jahren zu sehen, vor allem aber in der Kölner Installation "9. November Nacht", 1988.Das menschliche Gesicht, besonders das kindliche, ist für Helnwein von größter Faszination und mithin eines seiner zentralen Bildsujets. Das hier vorgestellte monumentalisierte Gesicht eines kleinen Mädchens steht gleichsam stellvertretend für alle Kinder. Kinder sind in unserer profit- und leistungsorientierten Erwachsenengesellschaft beinahe als Randgruppe zu bezeichnen, fällt doch die Beachtung ihrer Interessen vergleichsweise bescheiden aus. Vor diesem Hintergrund ist die extreme Vergrößerung des Gesichtes in Verbindung mit der hyperrealistischen Auffassung als eine beklemmende Irritation unserer gewohnten Wahrnehmungserfahrung zu verstehen.Ursprünglich wurde der "Kinderkopf" in einer Minoritenkirche in Krems, Stein gezeigt; und zwar an der zentralen Stelle eines frühgotischen Raumes, was dem Bild zweifelsohne eine sekrale Note verlieh.

"48 Portraits", 1991, Photographie (Cibachrome), Je 70x55

Seite 274Knapp zwanzig Jahre später als Richters Portraitserie berühmter Männer schuf Helnwein 48 Frauenportraits, die hier in der photographischen Version vorliegen. Ausgehend von der öffentlich geäußerten Empörung der Frauenrechtlerin Alice Schwarzer übt die Darstellung ausschließlich männlicher Prominenz, konzipiert Helnwein die Frauenserie als Pendant und künstlerischen Gegenentwurf.Im Gegensatz zu Richter, dessen Auswhal sich vorrangig am formalen Kriterium der Kopfhaltung bzw. Blickrichtung orientierte, wählte Helnwein in viel stärkerem Maße personen- bzw- persönlichkeitsorientiert aus und erstellte überdies eine knappe Dokumentation. Sein Panorama versammelt historische und zeitgenössische Persönlichkeiten, die das kulturelle und wissenschaftliche Leben des ausgehenden 19. und 20. Jahrhunderts prägten. Dabei bezieht er auch den Bereich der populären Musik-kultur, des Comics und der Kinderbuchliteratur mit ein: neben Literatinnen, Lyrikerinnen, Künstlerinnen, Schauspielerinnen zeigt Helnwein den Pop-Star Tina Turner, die Mickey-Maus-Übersetzerin Erika Fuchs oder die Kinderbuchautorin Astrid Lindgren. Ergänzend zu Richters Einstein-Portrait erscheint hier Mileva Einstein, die erste Frau des Physikers.

"Portraits des Ehepaares Peter Uund Irene Ludwig", 1995 Öl und Acryl auf Leinwand Je Tafel 198,5 x 139,5

Seite 280Helnweins Interessenschwerpunkt liegt im Studium des menschlichen Gesichtes. Neben unbekannten Individuen - darunter vielfach Kinder - portraitierte er zahlreiche Repräsentanten des öffentlichen Lebens. Die Portraits des Ehepaares Ludwig sind als monumentale Diptychen ausgeführt, deren linker Flügel jeweils ein hyperrealistisch formuliertes Bildnis zeigt und der rechte dasselbe monochrom wiederholt. Helnwein sieht diesen Typus des Bildnisses in der Tradition des offiziell-herschaftlichen Portraits. Die Bildnisse sind nicht für einen privaten, sondern für einen repräsentativen öffentlichen Raum konzipiert. Bei Helnwein wuchs die Überzeugung, daß zum vollständigen Begreifen einer mitunter höchst komplexen Persönlichkeitsstruktur ein Bild allein nicht ausreichen kann. Folgerichtung ist die dunkle Version des Portraits als ein Versuch zu verstehen, die intellektuellen und psychischen Gegebenheiten bildlich zu erfassen oder doch zumindest zu berücksichtigen.

THE METAPHORICAL PRINCIPLE OF GOTTFRIED HELNWEIN, Evgenija Nicolaevna Petrova, Chief Curator of the State Russian Museum, St. Petersburg
The works of Gottfried Helnwein are technically classified as hyper-realism (surpassing super-realism) and at first glance are practically indistinguishable from photographs. Though realistic in terms of technique, most of Helnwein's works are characterized by metaphorical implications.
THE METAPHORICAL PRINCIPLE OF GOTTFRIED HELNWEIN, Evgenija Nicolaevna Petrova, Chief Curator of the State Russian Museum, St. Petersburg — Throughout most of Helnwein's work is the basic principle of realism laced with metaphor. Viewed in this light, this basic principle can be considered, in a sense, metaphorical under the guise of realism. On the contrary, photographs by Helnwein look like paintings with implications. Included in all of Gottfried Helnwein's work, this basic principle demonstrates a reflection of the aesthetics of popular culture and irony, and represent Helnwein's major outlook on the world.
THE HELNWEIN PASSION - Alexander Borovsky, Curator for Contemporary Art at the State Russian Museum, St. Petersburg
Helnwein Monograph, 1997
THE HELNWEIN PASSION - Alexander Borovsky, Curator for Contemporary Art at the State Russian Museum, St. Petersburg — THE HELNWEIN PASSION
THE HELNWEIN RETROSPECTIVE AT THE STATE RUSSIAN MUSEUM ST. PETERSBURG
The Marble Palace and St. Michaels palace
THE HELNWEIN RETROSPECTIVE AT THE STATE RUSSIAN MUSEUM ST. PETERSBURG — Helnwein, 09. June 1997
PETER UND IRENE LUDWIG SCHENKEN CHINA KUNSTWERKE, Chinesisches Kunstmuseum, Peking, 1996
Ludwig Museum für Internationale Kunst, Chinesisches Kunstmuseum, Peking, 1996
PETER UND IRENE LUDWIG SCHENKEN CHINA KUNSTWERKE, Chinesisches Kunstmuseum, Peking, 1996 — CHINESISCHES KUNSTMUSEUM, PEKING, 1996
The State Russian Museum, St. Petersburg
The State Russian Museum, St. Petersburg
The State Russian Museum St. Petersburg, about the museum
The State Russian Museum St. Petersburg, about the museum
The State Russian Museum St. Petersburg, the Collection
The State Russian Museum St. Petersburg, the Collection
The State Russian Museum St. Petersburg, Department of Contemporary Art
The State Russian Museum St. Petersburg, Department of Contemporary Art
http://www.gottfried-helnwein-child.com
http://kristallnacht.helnwein.com