Selbstverständlich kann man die Art Bodensee, deren 15. Ausgabe derzeit in Dornbirn (Vorarlberg) stattfindet, nicht mit der Art Basel, Art Karlsruhe oder der Art Cologne vergleichen, muss man auch nicht. Doch wenn man wirklich Kunst genießen und eventuell auch erwerben will, ist Dornbirn immer einen Besuch wert.
„Die Art Bodensee ist ein besonderes Juwel in der Messelandschaft“, so hieß es von Veranstalterseite. Hört sich nach Eigenlob an, aber so sieht es auch der Stuttgarter Galerist Michael Sturm, der seit Anfang an bei der Kunstmesse im Vorarlberg dabei ist. Sturm, der mit anspruchsvoller Konzeptkunst vertreten ist, hält die Messe für einen wichtigen Abschluss des Galeriejahres und Dornbirn mit seinem touristisch kulturellen reizvollen Umfeld im Vier-Länder-Eck ist für ihn die richtige Wahl für den Messestandort.
Der Fachbeirat hat zusammen mit der Projektleiterin Isabella Marte eine feine, exklusive Salonmesse konzipiert. 71 Galerien und Institutionen aus sieben Ländern laden zu einem abwechslungsreichen Rundgang. Bekannte Namen aus der Bodenseeregion sind erneut vertreten, wenngleich in diesem Jahr die Galerien Geiger und Wohlhüter erstmalig eine Auszeit nehmen.
So führt der Weg direkt zur Galerie Vayhinger aus Singen, die das themenbezogene Konzept aus den Galerieräumen konsequent auch auf ihrem Stand umsetzt. So vermitteln unter dem Motto „Berge was sonst“ Künstler aus verschiedenen Nationen wie Harald Gfader, Xianwei Zhu oder Peter Riek ihre individuelle Sicht auf die Bergwelt. Wunderbar der „Lattenzaun“ von Jan Peter Tripp, der Giacomettis Stampa-Ansicht assoziiert.
Ebenfalls ein Pionier der ersten Stunde ist Michael Oess mit seiner in Konstanz gegründeten und mittlerweile in Karlsruhe ansässigen „Neuen Kunst Gallery“, die in der größten Messenkoje unter anderem eine Auswahl von Werken des Berliner Malers Igor Oleinikov sowie den Wiener Bildhauer und Performancekünstler Götz Bury mit einer bespielbaren Neo-Barock-Cello Skulptur aus Blech von Küchenspülen und Waschmaschinentrommeln vorstellt.
Die Konstanzer Malerin Sabine Becker ist mit einer Auswahl ihrer neuesten blauen Bilder bei der Galerie Depelmann vertreten und bei der Galerie Heike Schumacher (Überlingen) gibt es neben abstrakten Steinskulpturen des Tuttlinger Bildhauers Frank Teufel und Aquarellen von Armin Müller-Stahl viel Kunst der Gruppe ZERO zu entdecken. ZERO, zumindest als günstige Variante in Form von Serigrafien ist auf der Messe überaus angesagt. So zeigen neben Schumacher auch die Galerien Am Lindenplatz, Prantl und Boch und Wilmsen (Rheineck) Bekanntes von Uecker, Piene, Mack und Co. Nicht gerade anspruchsvoll wie sonst bei der Galerie Geiger, aber durchaus käuflich.
Qualitätsvoller mit einem internationalen Flair geht es dagegen bei der Galerie Gimpel & Müller zu. Die Pariser Galerie konzentriert sich auf abstrakte Gegenwartskunst mit Schwerpunkt auf konstruktiv-konkrete Positionen mit Arbeiten von Victor Vasarely, Carlos Cruz-Diez, Gottfried Honegger und Günter Fruhtrunk. Auch die Stuttgarter Galerie Valentien steht für Qualität. Die 1930 gegründete Galerie zeigt vor allem Gemälde und Bildhauerarbeiten der Klassischen Moderne und gelegentlich Zeitgenössisches.
Die Arbeiten von Picasso, Antes, Dubuffet und Baumeister finden in der benachbarten Halle ihre Entsprechung bei der Innsbrucker Galerie Rhomberg mit Arbeiten von Warhol, LaChapelle und Rainer. Erstmals nimmt in diesem Jahr die renommierte Wiesbadener Galerie Draheim an der Art Bodensee teil. Sie zeigt ein internationales Programm etablierter Künstler nach 1945. So gibt es als einen malerischen Höhepunkt der Messe ein Gemälde des Künstlers Gottfried Helnwein zu sehen. Beeindruckend und großformatig zeigt es die Totenmaske von Ludwig van Beethoven. Ergänzend dazu werden Arbeiten von Francis Bott, Lucio Fontana, Karl Otto Götz, Günther Förg, Miro und Siegmar Polke angeboten. Das hat Art Basel-Charakter wie auch gleich daneben bei dem Stand der Hamburger Galerie Polarraum mit ihrer begehbaren Rauminstallation von Justine Otto.
Aber im Vergleich zu dem kosmopolitisch ausgerichtetem Mega-Event verliert man auf der überschaubaren Dornbirner Messe nicht den Überblick. So findet man auf dem überschaubaren Areal die Skulpturenplätze mit zahlreichen Hinguckern wie dem knallroten Plexiglas-Gebilde„Bao“ von Paul Schwer bei der Galerie Robert Drees (Hannover), den verknoteten Stahl-Lackobjekten von Willi Siber bei Tristan Lorenz (Frankfurt), der „Pinkleiter“ von Xaver Sedelmeier bei Galerie Strzelski Stuttgart) und die „Stader Luft“ von Mathias Lanfer bei der Galerie Ulrich Müller (Köln) direkt vor dem Eingang.
Eine Besonderheit der Messe sind die jeweiligen Sonderschauen, bei denen Sammlern aus der Region viel Raum zur Präsentation ihrer Kollektion eingeräumt wird. Hat sich im vergangenen Jahr das Donaueschinger Museum Biedermann präsentiert, so stehen aktuell Werke der Mezzanin Stiftung im Fokus. Es handelt sich dabei um die Sammlung der Liechtensteinerin Hanny Frick. „Leben mit Kunst“ ist ihre heterogene Sammlung überschrieben. Das könnte auch das Motto der Art Bodensee sein, bei der man jederzeit einen oder mehrere Favoriten fürs Leben finden kann.