
Tradition wird groß geschrieben auf der ART&ANTIQUE. Das ist ihre einzige Chance und allerdings auch ihr Potenzial, wenngleich nicht sehr aufregend: Ein konservatives Angebot für ein konservatives Publikum im entsprechenden historischen Ambiente der Hofburg, hauptsächlich national bestückt. Das hat seinen unbestrittenen Stellenwert, in Wien.Letztes Jahr gab es einige innovative Impulse im herkömmlichen Programm, etwa die Präsentation von zeitgenössischen Künstlermöbeln, die leider keine Fortsetzung gefunden hat. Einige der sonst anzutreffenden Aussteller sind abgewandert, konzentrieren sich auf fokusierte Kunstmessen wie die VIENNAFAIR oder setzen darauf, neue Kundschaft auf internationalen Messen im Ausland zu gewinnen. Nicht viele wagen den Spagat, auf der zeitgleichen Internationalen Kunstmesse in München (8. – 13. November) und auf der ART&ANTIQUE auszustellen.
Der ART&ANTIQUE treu geblieben sind die Galerie Thoman und Zimmermann Kratochwill. Im diesmal sehr bunten Messestand von Thoman konkurrenzieren die vielfarbigen Rinnspuren auf einer Franz West–Skulptur (58.000 €) förmlich mit den geschütteten Acrylfarben auf dem Nitsch–Gemälde (49.500 €). Zimmermann Kratochwill bietet ein vergleichbares Aktionsrelikt von Hermann Nitsch an, Blut und rote Acrylfarbe bilden eine reizvolle Material– und Farbkombination (2011, auf Papier, um 21.000 €). Die Installation "PRO VISION" von Alfredo Barsuglia ist eine gelungene komplementäre Fortsetzung der mehr oder weniger antiken Möblage auf der Messe. Bestehend aus einem Mikrowellenherd, einem hyperrealistischen Gemälde in altmeisterlicher Technik, einem Weihnachtskaktus mit Sprühflasche und einem pendelnden Tondo mit einer Eisvogeldarstellung wird Gesellschaftskritik humorvoll veranschaulicht, traditionsbezogene Kunst in zeitgemäßer Gestalt (um 7.000 €).Gut ergänzt dieses zeitgenössische Programm die erstmals auf der Messe ausstellende Galerie Baha Fine Arts. Ein wirksamer Magnet ist die überdimensionale „Pink Mouse“ von Gottfried Helnwein, ein spezielles Stück auch gegenüber, „Grüne Stadt“ von Hundertwasser. Die Werke sind beeindruckend, entsprechend auch die Preise, die beginnen bei einem kleineren Exempel von Helnwein mit 85.000 € und liegen bei Hundertwasser über 350.000 €.Museal ist auch das Angebot eines anderen Neuausstellers der ART&ANTIQUE: Bei AGG New Rarität Antique Gallery gibt es einen ringenden Herkules von Peter Paul Rubens zu erwerben, daneben russische Ikonen, eine Tafelbild mit der Darstellung des Evangelisten Johannes aus dem Umkreis von Giotto oder auch ein Gemälde von Jan Brueghel d.Ä., „Kalvarienberg“ (letzteres um 450.000 €).
