Redakteurin Katrin Kuba traf Eveline Steinberger-Kern in ihrem Büro in Wien-Neubau.© Marko Mestrovic

Schwarzer Frühlingsmantel, zwei Mineralwasserflaschen unterm Arm, den Schlüsselbund in der Hand: So treffen wir Eveline Steinberger-Kern, 44, am Eingangstor zu ihrem Büro in Wien-Neubau. Es ist Samstag - und es ist Baustelle im Haus. "Entschuldigen Sie bitte, dass es hier so aussieht", sagt sie und bietet an, dass wir mit Fotoausrüstung und Makeup-Koffer den Lift nehmen. "Drücken Sie auf drei, ich nehm die Stiegen." Sie wirkt bodenständig, hilfsbereit, sympathisch. Die Frau, die Österreichs neuer Bundeskanzler - Christian Kern, zuletzt ÖBB-Boss -seit mehr als zehn Jahren liebt. Sich als Kanzlergattin zu sehen, missfällt der Mutter einer neunjährigen Tochter. "Das ist doch altmodisch!", sagt sie und erzählt lieber davon, dass sie laut "eigener Recherche die erste Selfmade-Unternehmerin an der Seite eines Kanzlers in der Geschichte der Zweiten Republik" ist. Und das will Steinberger-Kern auch bleiben. Die The Blue Minds Company unterstützt Menschen darin, neue Ideen zur umweltfreundlichen Energieversorgung und -nutzung zu finden. In Israel gibt 's eine Tochterfirma, die passende Software produziert. "Dass dort der Sonntag auch ein Arbeitstag ist, passt gut. So kann ich meine Jobs hier und dort wunderbar miteinander vereinbaren." Wie das in Zukunft mit dem Familienleben klappen wird, bleibt abzuwarten. "Heute gehe ich jedenfalls mit meiner Tochter noch ins Museum", lacht sie und nimmt auf der Vintage-Ledercouch Platz. Hier gibt Eveline Steinberger-Kern auch ihr erstes großes und persönliches Interview - und spricht mit WOMAN über ihre Familie, "First Lady-Getue" und Klischees, denen sie immer wieder begegnet ist.
Ich will mein Leben normal weiterleben, wie bisher auch.«WOMAN: Seit 17. Mai ist Ihr Mann österreichischer Bundeskanzler. Haben Sie ihm zugeredet, den Job anzunehmen?STEINBERGER-KERN: Wir leben und lieben Gleichberechtigung und Emanzipation. Für eine Jobentscheidung zählt in erster Linie mal das jeweilige eigene Urteil. Und dann vertrauen wir einander, dass dieses auch für den Partner passt. Ich freue mich also für meinen Mann, dass er diese nicht sehr einfache Entscheidung getroffen hat.WOMAN: Schon eine Vorstellung, was sich jetzt an Ihrem Familienleben ändern wird?STEINBERGER-KERN: Wir sind eine starke Familie und daher zuversichtlich, dass wir das weiterhin gut gemeinsam meistern. Beruflich tauscht mein Mann Unternehmen gegen Staatsmanagement. Vermutlich müssen wir noch mehr darauf achten, unsere Privatsphäre zu wahren.WOMAN: Sie sind ja selbst erfolgreiche Unternehmerin. Wird der Job Ihres Mannes denn Ihren eigenen beeinflussen?STEINBERGER-KERN: Meinen Job wohl nicht, mein Zeitbudget schon eher. Mein Unternehmen ist sehr international aufgestellt. Das heißt wohl, dass wir in Zukunft die Terminkalender noch enger zu takten haben.Gerade hat ihr Mann Christian Kern den Job des Bundeskanzlers übernommen. Eveline Steinberger-Kern, selbst Topmanagerin, weiß: "Jetzt haben wir den Terminkalender noch enger zu takten."