
Windig, regnerisch, kalt. Ein grausliches Wetter. Während die meisten unterKapuzen und Regenschirmen versteckt schnell den Weg ins Trockene suchen,stehen rund um den Rathausplatz sowie beim Theater Personen und zückenihre Handys. Grund des Interesses sind die Schock-Bilder von GottfriedHelnwein, die seit einigen Tagen in Gmunden für Gesprächsstoff sorgen.
„Viele verstehen nicht, was dahinter steckt“„Es ist gut, dass man sowas zeigt. Weil die Leute so tun, als gäbe es dasnicht. Helnwein will aufrütteln, Diskussionen anstoßen. Aber es ist reineProvokation und dessen ist er sich bewusst. Es sind keine Goldhauben undauch kein Dirndl zu sehen, also insofern passt es nicht nach Gmunden.“ Dasssich ein Großteil der Bevölkerung darüber aufregt, kann Helga Graf nichtnachvollziehen. „Man liest in den Zeitungen, man sieht im Fernsehen, dassGewalt gegen Kinder existiert. Und da braucht man nicht so tun, als gäbe esdas nicht“, meint die Malerin.„Ist kontrovers, aber es ist Kunst“Fotograf Dieter Hawlan sieht es ähnlich: „Es ist kontrovers, aber es ist Kunst.Mein erster Gedanke war leider: Oh Gott, was werden sich die Leute denken!In Zeiten wie diesen ist Provokation eher spaltend und viele Leute wollennicht verstehen, was dahinter steckt. Wichtig ist aber, dass sich jederGedanken darüber macht. Und viele tun das eben nicht.“
Für Architektin Inge Hinterwirth steht außer Frage: „Kunst soll zumNachdenken anregen und genau das ist gelungen. Wenn man weiß, wasHelnwein mit seinen Bildern möchte, versteht man sehr gut, was hierpassiert.“ Die Menschen werden aufgerufen nicht nur zu kritisieren, sondernsich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Eine Blumenwiese interessiereniemanden. Nachsatz: „Goldhauben oder Schuhplattlern haben wir schon.“„Verschließen wir nicht die Augen“Gewalt an Kindern, ein Mädchen in Naziuniform – zu den Bildern hat inGmunden jeder eine Meinung. Auch Galeristin Margund Lössl: „Ich würdesagen, er will nicht provozieren, sondern zeigen, welches Elend es gibt. Er willverhindern, dass wir wegschauen. Wir lesen in den Zeitungen: ,Ein Mann hat20 Kinder vergewaltigt‘. Im nächsten Moment dreht man sich um und bestellteinen kleinen Braunen. Verschließen wir nicht die Augen – das ist seineIntention. Wer hat denn beim Pudertanz gesehen, worum es wirklich geht?Verkrüppelte MenMenschen müssen sich nicht verstecken, tanzen und erfreuensich am Leben.“
Krieg hat in Gmunden nichts verlorenAuch im Cafe Brandl direkt am Rathausplatz hat sich eine Gruppe vonPensionisten eine Meinung gebildet. „Für die jüngere Generation sind dieBilder zeitgemäß, für die ältere ist es nicht ansprechend. Deshalb gehen dieWogen gerade sehr hoch. Ich bin absolut dagegen, dass eine Kriegssituationzu uns nach Gmunden hineingetragen wird“, sagt etwa Peter Hammerschmid.Gmundens Bürgermeister Stefan Krapf versteht beide Seiten. „Wenn man sichauf Gottfried Helnwein einlässt, war zu erwarten, dass er keineSchwanenfamilie zeigt, sondern Bilder, die die Seelen und Herzen derMenschen ergreifen.“