
Der Bühnenbildner Gottfried Helnwein, zweite prägende Figur des Abends, hat das turbulente Libretto W.H. Audens in einem abstrakten Einheitsbühnenbild verortet, dessen Wände expressionistisch schief aufragen und sich durch Licht und Videoprojektionen effektvoll zu verwandeln wissen. Dabei entstehen teilweise überzeugende Traum- und Alptraumbilder: Anna Trulove (Gabriele Rossmanith), die verlassene Geliebte, sucht ihren Rumtreiber Rakewell (Bruce Fowler) und wandelt dabei zerbrechlich mit einem blauen Schirmchen durch die Londoner Unwirtlichkeit, die sie als Fernseh-Schneetreiben auf den Bühnenwänden umgibt.
Andererseits lassen sich Helnwein und Flimm häufig zu Bildern hinreißen, die die komplexe Vorlage manchem eindimensionalen Aktualitätsklischee ausliefern. Gerade der spielfreudig agierenden Chor wird hier einfallslos als Skinhead-Gang in Leder oder Irrenhausbelegschaft im Nachthemd auf die Bühne gestellt. Eine Unterforderung, die auch die Zuschauer angesichts der meist überdeutlichen Bildverweise der Videos leicht befällt. Das Schlussbild der Inszenierung schwingt jedoch noch auf dem Heimweg nach: die in Zeitlupe einstürzenden Bühnenwände, die einzig ein von der Liebe singendes Paar verschonen. Mehr Oper wäre gar nicht nötig gewesen.