Du wolltest den Mond in der dir gemäßen Verkleinerung, den Magiermond, den Dichtermond, die Nachtlampe träumender Schäfer, den unheimlich heimlichen Mond nächtlicher Sternfahrer, den Mond, der in den Fenstern der Züge mitfährt, den goldenen, silbrig glänzenden, diamantfarbenen, den Sichelmond des Weltallschnitters, in Anklängen manchmal sogar Frau Luna, aber hauptsächlich den Mond, diesen bleichen Zehrpfennig aller nachtfahrenden Traumhelden.Und nun hast du ihn - Schrecken aller Wunscherfüllung! - handlich, im Hauskostüm und gemütlich, mit Zigarre. Er lächelt dich an. Dich aber befällt ein Lachen, das dich beinahe aus deiner Haut schüttelt, ein Lachen wie ein Weinkrampf, dem du nichts entgegenzusetzen weißt als deine blanken, ein wenig verkürzten Zähne.Das also ist der Mond... und die Lachfalten in deinem Gesicht sind die Runzeln des beginnenden Verderbens: was sollst du dir von nun an wünschen? Denn zwei der drei Wünsche hast du noch offen, und angesichts dieser Unfasslichkeit bittest du deine Fee, all ihre Versprechungen rückgängig zu machen.Das also ist der Mond, lachst du. Und es hilft gar nichts, ihn wieder gen Himmel zu werfen. Dein privater Umgang mit ihm hat ihn als Gestirn ein für allemal untragbar gemacht.Für Gottfried Helnwein undseinen überlisteten weißen Clown
Mond, 1981