Geografisch und gemessen an seiner wirtschaftlichen Bedeutung ist das Ruhrgebiet aus der Mitte Deutschlands an die Peripherie gerückt. Mit dem Niedergang der Zechen ist aber auch die Umstrukturierung der Region zur Kulturlandschaft verbunden. Entlang der alten B1 sind die Ruinen als Museen auferstanden und markieren die Fixpunkte einer neuen "Route Industriekultur". Dass ihr auch ein Boulevard der Galerien zur Seite steht und der Kunstmarkt der Region durchaus eine Alternative zu den benachbarten Zentren Düsseldorf und Köln darstellen kann, kann ein Galerien-Spaziergang durch das Ruhrgebiet belegen.Essen hat von allen Ruhrgebietsstädten den größten Kunstmarkt und auch den am besten organisierten. Die Arbeitsgemeinschaft der Essener Galerien versammelt ihre Mitglieder hinter einem gemeinsamen Webportal (www.kunst-essen.de), für die nahe Zukunft ist die Eröffnung eines Kunsthauses und damit der Schritt vom virtuellen zum realen gemeinsamen Dach geplant. Sollte der Umzug in das in unmittelbarer Nähe des Folkwang-Museums gelegene Glückauf-Gebäude tatsächlich vollzogen werden, wäre dies, nach diversen anderenorts gescheiterten Versuchen, eine kleine Sensation. Ein Galerist, der, wenn überhaupt, nur schweren Herzens die alte Heimstatt verlassen würde, ist Klaus Kiefer. Seine Galerie KK (Rüttenscheider Str. 56, 45130 Essen) ist je nach Ausstellung und Empfindsamkeit ein verwunschenes Seelenstübchen oder eine handfeste Albtraumkammer. In jedem Fall versteht es der Hausherr jedoch, eine Atmosphäre entspannter Gemütlichkeit zu schaffen. Das spricht zum einen für Kiefers Naturell, zum anderen für die Qualität der ausgestellten Werke. Seit gut zwanzig Jahren vertritt Kiefer das, was er mal ungewöhnlich offiziös "Kritischen Realismus" nennt, mal die Ästhetik der ersten (Eros) und letzten (Tod) Dinge oder einfach: "Merkwürdige Bilder". In dieser Sphäre hat sich Kiefer mit genauem Blick einen Platz gesichert, der es ihm erlaubt, selbst zu seinen besten Kunden zu gehören. Unter den Künstlern, die von ihm vertreten werden, sind bekannte Namen wie Johannes Grützke und Volker Stelzmann, Roland Topor und Gottfried Helnwein; der in Deutschland lebende Chinese Yonghbo Zhao mit seinen Grotesken sowie der polnische Zeichner Piotr Kamienarz sind noch zu entdecken. (Wird fortgesetzt)